Bulbul – Hirn fein hacken

Der Nachtigall wird eine liebliche Stimme nachgesagt, obwohl es da schon Diskrepanzen zwischen der persischen und der englischen Bezeichnung gibt. Denn „Bulbul“ bedeutet zwar Nachtigall auf Persisch, bezeichnet aber eine komplett andere Vogelart auf Englisch. Irgendwie passt dieses Namens-Durcheinander bestens zu der österreichischen Formation, die sich schon seit mehr als 15 Jahren Bulbul nennt. Wenn man sich etwa das Video zu „Daddy was a girl I like“ ohne Ton ansehen würde, wüsste man nicht wirklich welche Musik den überlebensgroßen Hühnchen mit Instrumenten zuzuordnen ist. Sobald aber der Ton aufgedreht ist, weiß man, dass man hier mehr Rock als irgendetwas sonst zu erwarten hat.

Und vom Rock auch eher das außergewöhnlich schmackhafte Kalbsbries und nicht das fad-klassische Filetstück à la Hard Rock. Auf ihrem neuen Langspieler „Hirn fein hacken“ geht das Wiener Trio sogar in die gruslig-raunzige Richtung, obwohl das grellbunte Cover eher etwas anderes anzupreisen scheint. Letzteres wurde von Raumschiff Engelmayer höchstpersönlich arrangiert. Das Gründungsmitglied von Bulbul hatte gemeinsam mit seinen Kollegen Derhunt und Ddkern bei jedem Arbeitsschritt der Produktion die Finger im Spiel. So ist eine Platte entstanden, die beim ersten Hören die Schweißproduktion ziemlich antreibt. Ob das an den wilden Gitarren, dem schnellen Tempo oder an den creepy Vocals liegt, kann man dabei nicht genau sagen.

Klar ist aber, dass Bulbul auf „Hirn fein hacken“ wieder mal wie keine andere Band klingt. Aber natürlich kann man die einzelnen Töne und Melodien so weit aufspalten, dass ein bisschen genauere Analysen möglich sind. Zuerst einmal sind da gewisse Post Rock Einflüsse zu hören. Besonders stark auf „Kanzla“ oder „Fisole“, obwohl es bei Bulbul fast zu schnell ist um als astreiner Post Rock identifiziert werden zu können.  Bei „Kanzla“ kommt nach einiger Zeit des monotonen Instrumentalteils das Gefühl auf, die Platte würde hängen. Dies passt wiederum hervorragend zum Band-Gefühl, denn irgendwie scheinen die Musiker einen an die eigenen Grenzen treiben zu wollen. Die flotten Gitarren steigern sich auch auf „Fisole“ ins unermessliche und fordern dabei die dadaistischen Hirnzellen der HörerInnen zum Tanzen auf.

Diese fiese Schnelligkeit kann wiederum mit Surf-Rock à la Dick Dale verglichen werden. Aalglatt sind die Gitarrenklänge aber nicht. Vielmehr scheint sich mit Raumschiff Engelmayers Stimme eine kleine Höllenpforte zu öffnen, durch die Tonverschmutzungs-Dämonen gelangt sind. Heraufbeschworen vor allem auf „I Hea Scho Lang Nix Mea“. Die Vocals beweisen, dass österreichischer Dialekt ziemlich düster sein kann, besonders, wenn er mit Horror-Film verdächtigen Tönen gepaart wird. Das Schlagzeug ist dreckig, der Beat laut und kratzig und über allem beißt sich die Gitarre selber in den Schwanz.

„Hirn fein hacken“ bietet viele Momente in denen man als HörerIn nicht genau weiß, auf was man jetzt genau achten soll. Diese Detailverliebtheit drehen Bulbul durch den Fleischwolf und schießen es mit Lichtgeschwindigkeit in die Gehörgänge. Auch wenn die Platte vielleicht nicht als leichte Kost bezeichnet werden kann, ist klar, dass das Trio sein Potenzial wieder bis zum Limit ausgenutzt hat.

Anne-Marie Darok

Foto: David Murobi

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