Bilderbuch zu Gast im Alten Schlachthof

Eine ungemein erfrischende Version von Indierock mit starken Post-Punk Anleihen ist es geworden, das zweite im vergangenen Jahr erschienene Album „Die Pest im Piemont“ von der aus dem oberösterreichischen Kremstal stammenden Band Bilderbuch. Schon das 2009er Debüt „Nelken & Schillinge“ ließ erkennen, dass hier eine Truppe am Werken ist, die ihr Handwerk, nämlich erstklassige und mitreißende Nummern mit hohem Wiedererkennungswert zu schreiben, vortrefflich beherrscht. Was der vierköpfige Truppe aber auf ihrem aktuellen Werk abliefert, hat schlicht und einfach große Klasse. Die nächste Gelegenheit, diese hochtalentierte Combo live zu erleben, gibt es am 17. Februar im Alten Schlachthof in Wels.

„Die Pest im Piemont“ hat so ziemlich alles, was eine spannende Platte haben muss, um zu wahren Begeisterungsstürmen zu verleiten. Wunderbare, in erstklassigen Arrangements verpackte Melodiebögen, exzellente, abwechslungsreiche Rhythmusarbeit, eine nie ins Banale abdriftende Eingängigkeit und intelligente deutschsprachige Texte, die schon mal auch ins Poetische hineinreichen. Die vier Jungs von Bilderbuch haben ihre Lektionen in Sachen Songwriting eindeutig gelernt. Eindrucksvoll ist, mit welch scheinbarer Leichtigkeit und Entspanntheit, Maurice Ernst (Gesang, Gitarre), Michael Krammer (Gitarre), Peter Horazdovsky (Bass) und Andreas Födinger (Schlagzeug) auf ihrem Zweitlingswerk an die Sache herangegangen sind. Sie wissen einfach wie was wann in welcher Form in Szene gesetzt werden muss, damit ein Song auch wirklich zündet. Und das tun auf „Die Pest im Piemont“ alle vierzehn Tracks.

Musikalisch gibt sich der junge Vierer sehr abwechslungsreich. So pendeln die stilistisch irgendwo zwischen Indierock, Pop und Post-Punk angesiedelten Nummern zwischen etwas heftigeren Sturm-und-Drang-Passagen und ruhigen, fast schon leisen Momenten. Was entsteht ist ein stetes Wechselspiel, welches einen von ersten bis zum letzten Ton anhaltenden Spannungsbogen entstehen lässt. Besonders beeindruckend ist, mit welcher Leichtigkeit Bilderbuch den oft schwer zu meisternden Spagat zwischen Anspruch auf der einen und Radiotauglichkeit auf der anderen Seite zu meistern in der Lage sind.

Bilderbuch haben ihre Lektion in Sachen mitreißenden Indierock, wie auf ihrem Zweitlingswerk hörbar, ganz offensichtlich gelernt. Auf jeden Fall zählte „Die Pest im Piemont“ zu den wohl stärksten heimischen Veröffentlichungen im Sektor Rock im vergangenen Jahr. Wer sich also für anspruchsvolle, tiefsinnige und emotionale Rockmusik begeistern kann, sollte daher einen Besuch im Alten Schlachthof unbedingt in Erwägung ziehen. (mt)

Foto: Christian Pitschl