„BEI UNS GIBT ES EINE STYLE-POLIZEI“ – DIE FITTEN TITTEN IM MICA-INTERVIEW

DIE FITTEN TITTEN sollte man nicht googeln. Man muss sie sehen, um sie zu begreifen. Das von JULIA RIEDERER und CLAUDIA LOMOSCHITZ gegründete „Lo-fi-Electro-Pink-Punk“-Projekt grätscht seit 2017 mit Titeln wie „Zahnmedizin“ oder „Koks“ in Wiener Gürtellokale und stellt Boys wie Toys in eine Ecke. Inzwischen hat sich das Irgendwas-mit-Kunst-Ding zu einer Band entwickelt. ANNA BARBIERI ist fixer Bestandteil. Die Gruppe wächst wie ein Organismus, der sich aus dem Dilettantismus-Kokon schält. Ihre Shows sind Séancen für Food-Fetischistinnen und -Fetischisten, Happenings für Strizzis von der Angewandten und ein Fest für alle, die einen Knall haben – im positiven Sinn natürlich. Wie man so leiwand wie DIE FITTEN TITTEN wird, haben ANNA BARBIERI, CLAUDIA LOMOSCHITZ und JULIA RIEDERER im Interview mit Christoph Benkeser verraten. Und nebenbei drei neue Songs geschrieben.

Claudia Lomoschitz: Wie lang gibt es die Fitten Titten eigentlich schon? Seit 2016? Oder 2017?

Anna Barbieri: Als ich dazugekommen bin, gab es sie schon länger.

Ich kann mich an ein Konzert 2017 erinnern. Im Einbaumöbel. 

Julia Riederer: Das war unser erstes Konzert!

Anna Barbieri: Da war ich noch nicht dabei.

Claudia Lomoschitz: Wir haben uns zwei Wochen vor dem Konzert gegründet, davor gab es Die Fitten Titten noch nicht.

Dafür ist mir das Konzert aber gut in Erinnerung geblieben. 

Claudia Lomoschitz: Wir waren nervös. Wir sind alle keine Musikerinnen, waren es damals noch weniger. Jedenfalls haben wir für das erste Konzert unsere damaligen Freunde, mittlerweile Ex-Freunde, verpflichtet, nackt herum zu hampeln.

Julia Riederer: Sie waren unsere Background-Toys. Dann ging es darum, was wir als erstes machen sollten. Und wir so: Merchandise! Wir haben also erstmal T-Shirts gemacht. Und Visitenkarten.

Anna Barbieri: Visitenkarten?

Julia Riederer: Die haben wir selbst gemalt!

Anna Barbieri: Vi-si-ten-kar-ten?

Julia Riederer: Ja, wir sind aber draufgekommen, dass wir auch Songs brauchen.

Das vergisst man schnell. 

Claudia Lomoschitz: Wir gehen immer den Mittelweg. Es darf weder zu gut noch zu schlecht sein. Schließlich haben wir einen gewissen Anspruch!

Anna Barbieri: Ja, einen gewissen Anspruch gibt es schon!

Claudia Lomoschitz: Das glauben die Leute ja nie! Ich bin ganz begeistert, dass sich jemand an unser erstes Konzert erinnern kann.

Julia Riederer: Acht Songs haben wir damals gespielt.

Claudia Lomoschitz: Und uns war nicht klar, ob uns das Publikum mag oder hasst.

Julia Riederer: Dafür haben wir danach aber super Feedback bekommen. Ab dem Zeitpunkt wurden wir für viele Konzerte angefragt.

Claudia Lomoschitz: Und haben auch viele abgesagt. Weil: Wir proben ja nicht regelmäßig oder so. Es ist unser künstlerisches Side-Projekt.

Anna Barbieri: Trotzdem ist es oft sehr intensiv. Während mancher Phasen proben wir gar nicht. In anderen passiert alles geballt. Als wir zum zweiten Mal im Einbaumöbel spielen sollten, haben wir davor viel geprobt.

Claudia Lomoschitz: Wir haben sogar eine Setlist vorbereitet.

Anna Barbieri: Ja, und das mit dem Singen haben wir richtig geübt.

Julia Riederer: Echt?

Anna Barbieri: Als ich neu dazukam, haben wir uns sicher vier Mal getroffen.

Claudia Lomoschitz: Vier Mal!

Anna Barbieri: Das war richtig oft.

Claudia Lomoschitz: Normalerweise treffen wir uns zwei Mal vor Konzerten. Beim ersten Mal machen wir ein paar neue Songs. Beim zweiten Mal gehen wir alles einmal durch. Und dann spielen wir das Konzert.

Mehr brauchts … 

Claudia Lomoschitz: Bei uns nicht.

(Claudia wischt über ihr Smartphone, öffnet Instagram, sucht nach einem Video)

Claudia Lomoschitz: Schau, das war unser erstes Konzert.

Oh, daran erinnere ich mich. Das ist ein schönes Zeitdokument. 

Claudia Lomoschitz: Ich schau gerne die Bilder unseres Instagram-Accounts an.

Das ist wie ein Blick zurück. 

Claudia Lomoschitz: Ja, es sind so viele Sachen passiert. Wir hatten zum Beispiel in München ein Konzert mit einem 18-köpfigen Orchester, dem VKKO. Die haben die Songs in Noten übersetzt. Jetzt gibt es 30 Seiten Partituren für unseren Song „Koks“.

Julia Riederer: Für „Zahnmedizin“ auch.

Anna Barbieri: Eigentlich für alle.

Und die haben das als Orchester mit euch gespielt? 

Julia Riederer: Ja, die haben das für akustische Instrumente umgeschrieben und wir haben gesungen.

Claudia Lomoschitz: So gut haben unsere Lieder noch nie geklungen! Das waren die besten und verrücktesten Komponistinnen und Komponisten, die ich bisher kennengelernt hab.

Anna Barbieri: Sie waren Orchester in Residence im Milla Club in München und haben unterschiedliche Leute eingeladen, unter anderem eben uns.

Die Fitten Titten hört man also bald im Goldenen Saal des Musikvereins. 

Julia Riederer: Der Neue Wiener Musikverein – der Verein für neue Wiener Musik!

Um endlich die „jungen Leute“ abzuholen, von denen man dort so gerne spricht. 

Claudia Lomoschitz: Hast du eigentlich schon die Titel von unserer Platte gesehen?

Ja, ja. 

Claudia Lomoschitz: Die sind gut, oder? Wir sind so stolz drauf.

Anna Barbieri: Christoph hat die Platte sogar schon gehört. Obwohl die noch gar nicht offiziell released ist.

Julia Riederer: Was? Die ganze Platte?

Anna Barbieri: Ja, die Claudia hat es auf Bandcamp gestellt. 

Claudia Lomoschitz: Aber ich dachte nicht, dass man das schon alles schon hören kann.

Anna Barbieri: Ich finds gut, dass man die Platte schon hören kann.

Claudia Lomoschitz: Offiziell kommt sie aber erst am 11. August.

Julia Riederer: In der Artist-Edition. Wie viel Stück haben wir gemacht? 214?

Anna Barbieri: Über 200. Alle nummeriert.

Julia Riederer: Die steigen voll im Wert. Weil, es wird niemals mehr geben.

Claudia Lomoschitz: Ich würde schon welche nachproduzieren. Wie bei einem Buch. Erster Band. Zweiter Band.

Oder neue Auflagen produzieren, obwohl noch gar nicht alle anderen weg sind. 

Anna Barbieri: Wir haben lange überlegt, wie viel wir machen lassen sollen.

Claudia Lomoschitz: Zuerst dachten wir an 100.

Julia Riederer: Aber es ist gar nicht viel teurer, noch ein paar mehr zu machen.

Anna Barbieri: Wir vertreiben die Platten selber. Wir haben ja kein Label. Es ist de facto eine Eigenproduktion. Das war uns auch wichtig, aber auch herausfordernd.

Claudia Lomoschitz: Das passt auch zu uns. Wir haben die Zeit nur überdauert, weil wir immer gute feministische Vibes haben. Wir drei sind zwar der Kern der Fitten Titten. Trotzdem kamen und kommen immer wieder neue Energien dazu.

Anna Barbieri: Bei Gigs spielen nicht immer alle, die in der Band sind oder mit ihr zusammenhängen. Es wechselt sich ab. Das hat bisher immer gut funktioniert – wir hatten noch nie die Situation, dass niemand auf der Bühne stand, weil keine von uns Zeit hatte.

Bild Die Fitten Titten @ Dessous
Die Fitten Titten @ Dessous (c) Maria Ritsch

Und sonst muss halt irgendjemand einen Laptop auf die Bühne stellen, der den Gig für euch übernimmt. 

Claudia Lomoschitz: Aber dann fehlt schon viel, oder?

Manche Leute zahlen dafür viel Geld.  

Claudia Lomoschitz: Wir haben grad ein Video gedreht. Und uns dafür überlegt, ob wir einfach unsere Platte abspielen und Playback dazu singen.

Julia Riederer: Eigentlich könnten wir auch so Pappstatuen von uns hinstellen. Die bewegen dann einzelne Körperteile wie Marionetten.

Claudia Lomoschitz: Weißt du, wir hatten früher Titten-Merch. Davon sind wir mittlerweile weggekommen, weil das alle machen.

Julia Riederer: Monki hat das vor zwei Jahren schon kopiert!

Claudia Lomoschitz: Inzwischen distanzieren wir uns davon. Ich wünsch mir eher T-Shirts mit zwei kleinen Löchern auf der Brust, wo nur die Nippel rausschauen.

Julia Riederer: Ja, wir reduzieren jetzt radikal.

Claudia Lomoschitz: Und wenn es mit dem Namen gar nicht mehr geht, heißen wir einfach Die Fitten Dritten.

Julia Riederer: Aber erst, wenn wir alt genug sind.

Claudia Lomoschitz: Davor vielleicht Die Fitten Fritten.

Julia Riederer: Im Winter sind wir Die Fitten Schlitten.

Anna Barbieri: Da könnten wir super Merch machen. Erdäpfel-Säcke to go.

Claudia Lomoschitz: Kann man mit Zitronen und Kartoffeln nicht Storm erzeugen? Damit könnte man so kleine Reaktoren bauen. Um die Platte anzuhören.

Die Leute sollen sich ruhig Mühe geben, eure Musik zu hören.  

Claudia Lomoschitz: Ich habe die Platte bisher mit Dates angehört. Alle wollten danach eine haben.

Julia Riederer: Mein Plattenspieler ist kaputt. Ich habe mir deshalb extra ein Tinder-Date bei jemandem mit Plattenspieler ausgemacht, um die Platte hören zu können.

Anna Barbieri: Ich habe sie bis jetzt nur einmal gehört. Das war schön.

Claudia Lomoschitz: Nur einmal?

Anna Barbieri: Ich kenn die Lieder ja schon! Aber ich würde allen empfehlen, sie anzuhören.

Zumindest einmal. 

Anna Barbieri: Beim Konzert zum Beispiel.

Claudia Lomoschitz: Ich sehe die Platte als schöne Konzerterinnerung.

Anna Barbieri: Wobei ich schon betonen möchte, dass manche Tracks richtige Hits sind.

Julia Riederer: Manche funktionieren dafür besser live.

Claudia Lomoschitz: Andere funktionieren live und sind sogar radiotauglich!

Anna Barbieri: Und wieder andere sind einfach Hits.

Welche denn? 

Claudia Lomoschitz: Da gehen die Meinungen auseinander.

Anna Barbieri: Mein Hit ist „Plant“.

Julia Riederer: Der ist halt nicht so roh wie „Koks“.

Anna Barbieri: „Koks“ ist auch ein Hit.

Claudia Lomoschitz: Das lieben alle.

Anna Barbieri: „Möse“ funktioniert dafür eher als Performance.

Julia Riederer: „Lametta“ könnt auch als Hit durchgehen.

Anna Barbieri: Da bin ich mir nicht ganz so sicher.

„BEI UNS GIBT ES EIGENTLICH NUR REFRAINS.“

Und was ist mit „Meine Krasse Schönheit“? 

Claudia Lomoschitz: Das ist toll, oder?

Julia Riederer: „Künstlerleben“ find ich aber auch gut.

Also nur Hits eigentlich.  

Claudia Lomoschitz: Ja, „Mamamlada“ ist auch super.

Anna Barbieri: Das ist ein Live-Kracher!

Ein Kracher! 

Anna Barbieri: Weißt du, was mich beim Liederschreiben immer verwundert? Man überlegt sich, wie oft man einen Refrain wiederholen kann, bevor es langweilig wird.

Julia Riederer: Bei uns sind es eigentlich nur Refrains.

Anna Barbieri: Nein, eben nicht! Wir singen die Refrains gar nicht so lang!

Julia Riederer: Hmmm, Mamamlada! Hmmm, Mamamlada!

Anna Barbieri: Ja, das ist ein Extremfall. Aber hör dir mal die ganzen Lieder an, die sie im Radio spielen. Bei Ed Sheeran und anderen kommt am Ende sicher zehn Mal der Refrain.

Julia Riederer: Damit am Ende alle mitsingen können.

Anna Barbieri: Ja, und deshalb haben wir kommerztechnisch was falsch gemacht. Bei uns, denke ich mir oft, sind es zu wenig Refrains. Gleichzeitig gibt es dann beim Schreiben eines Songs immer die Angst, dass es zu schnell langweilig wird.

Julia Riederer: Dafür muss man bei uns die Lieder nur einmal hören und kann sie auswendig mitsingen.

Claudia Lomoschitz: Weil der Text so kurz ist.

Anna Barbieri: Ja, das ist das Gute!

Die Songs haben Skihütten-Qualität. 

Claudia Lomoschitz: Uhh.

Anna Barbieri: Na ja, die sind schon ein bisschen Schlager.

Claudia Lomoschitz: Davon möchte ich mich distanzieren.

Anna Barbieri: Ich find das aber gut. Weils auch rotziger Schlager ist.

Julia Riederer: Ich hätte bei der nächsten Platte auch Bock auf eine Mischung aus Italo-Pop mit Electro und Édith Piaf gemischt oder so.

Anna Barbieri: Der Italo-Vibe interessiert mich nicht mehr ganz so. Vor allem in der österreichischen Popmusik ist der doch schon lange sehr groß!

Claudia Lomoschitz: Autogrill!

Anna Barbieri: Urlaub in Italien!

Claudia Lomoschitz: Ich war grad in Rom. Das war toll!

Julia Riederer: Dabei müssten wir ja keinen Italo-Pop machen. Wir vermischen ihn einfach.

Claudia Lomoschitz: Mit französischem Chanson.

Wobei das bei euch doch schon in die Stereo-Total-Richtung geht. „Betrögen“ zum Beispiel. 

Claudia Lomoschitz: Das ist unser Ding. Aber es kommen noch drei neue Musikvideos. Bei einem war Anna federführend.

Julia Riederer: Das wird sehr artsy!

Claudia Lomoschitz: Und wir haben Tinder-Dates eingeladen, damit sie nackt bei uns im Keller mit Fell posieren.

Alle gleichzeitig?

Anna Barbieri: Nacheinander. Im Videoschnitt schaut es natürlich simultan aus.

Julia Riederer: Ja, wir hatten nur einen Scheinwerfer und zu wenig Platz.

Anna Barbieri: Aber warum findet ihr Schlager eigentlich so schlecht?

Claudia Lomoschitz: Das bin eh nur ich. Den Mandl Schorsch find ich trotzdem gut.

Bitte, wer ist der Mandl Schorsch? 

Claudia Lomoschitz: Google den mal, der ist unglaublich!

Anna Barbieri: Wie hieß der Act, der mal bei uns im Einbaumöbel die Vorband gemacht hat? Da kam ein bisschen Ballermann-Feeling auf.

Julia Riederer: War das nicht …

Claudia Lomoschitz: Tomas Tulpe! 

Anna Barbieri: Genau! Da waren wir doch schon im Schlager-Eck.

Claudia Lomoschitz: Davon erfahr ich erst jetzt! Unsere neuen Songs sind doch beide auf Englisch!

Anna Barbieri: Aber das macht es ja nicht weniger Schlager.

Claudia Lomoschitz: Vielleicht sollten wir Schlager nicht so oft erwähnen.

Dabei passt es doch zu den Fitten Titten. 

Julia Riederer: Eben! 

Anna Barbieri: Es muss aber rotziger, feministischer Schlager sein.

Claudia Lomoschitz: Lo-fi feminist pink-pant-Punk!

Oder Rrriot-Schlager.

Claudia Lomoschitz: Sag, hast du unseren Auftritt bei der Diplomprüfung im Semperdepot gesehen?

Julia Riederer: Das heißt Semperpopo!

Ich war nicht dort, aber ich habe das Video gesehen. 

Claudia Lomoschitz: Da haben wir das Rrriot-Schlager-Ding durchgezogen. Einige waren echt … überrascht.

Julia Riederer: Es waren viele Eltern da.

Anna Barbieri: Und man konnte nicht wegschauen, weil an jeder Säule ein Boy stand.

Claudia Lomoschitz: Der Ort war für uns geweiht. Man kam nicht zum Diplom. Man kam zu unserem Konzert.

Julia Riederer: Florian mit seinem Projekt Untere Willkyr stand – nackt und mit einem Lampenschirm überm Kopf – auf der Bühne.

Claudia Lomoschitz: Er war unsere Lampe und hat dann sein Diplom abgeholt. Du kannst ja auch mal Background-Toy sein, wenn du möchtest.

In meinem Netzhemd.  

Anna Barbieri: Nein, nein. Das Styling wird vorgegeben! Das war die erste Lektion, die ich bei den Fitten Titten gelernt hab. Es gibt schon sowas wie eine Style-Polizei.

Julia Riederer: Wobei wir mittlerweile so auf die Bühne gehen, wie wir uns gerade wohlfühlen.

Anna Barbieri: Tatsächlich?

Claudia Lomoschitz: Du hattest das letzte Mal doch dein Karotten-Outfit an – und es war toll!

Anna Barbieri: Welches Karotten-Outfit?

Claudia Lomoschitz: Die gelbe Leggings mit dem Cape.

Anna Barbieri: Aber das ging doch durch die Style-Polizei!

Bild Die Fitten Titten @ Dessous Karottenoutfit
Die Fitten Titten @ Dessous Karottenoutfit (c) Maria Ritsch

Und wer ist die Style-Polizei bei den Fitten Titten? 

Anna Barbieri: Claudia und Julia.

Julia Riederer: Echt?

Claudia Lomoschitz: Wir haben sogar mal Kostüme genäht. Das haben wir aber wieder sein gelassen.

Also darf man doch eigene Style-Vorschläge einbringen. Die werden dann halt konsequent abgewiesen. 

Anna Barbieri: Weil es meistens Verbesserungspotenzial gibt.

Claudia Lomoschitz: Also komm mal mit deinem Netzhemd.

Anna Barbieri: Es könnte aber sein, dass du dann im Tanga auf der Bühne stehst.

Julia Riederer: Oder ohne!

Das hört sich verlockend an. 

Claudia Lomoschitz: Manchmal ist tatsächlich Not am Mann. Wir gehen dann durchs Publikum und fragen die Leute.

Julia Riederer: Und bezahlen sie mit Alkohol.

Wie wird man eigentlich so leiwand wie Die Fitten Titten?

Anna Barbieri: Es ist eine gute Portion Chaos.

Julia Riederer: Außerdem haben wir keine Angst, schlecht zu sein.

Anna Barbieri: Ja, wir versuchen nicht, das Chaos zu planen. Es ist halt einfach so. Oft ist es professioneller als wir denken.

Claudia Lomoschitz: Wir gehen auf die Bühne – und irgendwie geht‘s.

Das ist genialer Dilettantismus. 

Claudia Lomoschitz: Wir suchen übrigens grad unsere Pressefotos.

Anna Barbieri: Ich habe die Speicherkarte verlegt. Mal schauen, wann die auftaucht.

Zum dritten Album dann. 

Anna Barbieri: Genau, wir finden sie in zehn Jahren. Schau wie jung wir waren!

Claudia Lomoschitz: Dabei haben wir sogar mal einen Pressetext geschrieben.

Bild Die Fitten Titten Vinyl
Die Fitten Titten Vinyl (c) Anna Barbieri

Für die Wikipedia-Page? 

Claudia Lomoschitz: Die hatten wir tatsächlich. Aber sie wurde gelöscht.

Anna Barbieri: Die Wikipedia-Guards waren richtig ungut.

Julia Riederer: Ja, sie meinten, dass sei Eigenwerbung. Dabei war es eine klassische Band-Biografie!

Die Fitten Titten zu googeln ist aber auch eher … gefährlich. 

Julia Riederer: Da kommen die ärgsten Sachen.

Claudia Lomoschitz: Vielleicht ist das unser Problem. Sollten wir uns in Die Fitten Fritten umbenennen?

Julia Riederer: Ich bin für den englischen Namen: Fit Tits.

Anna Barbieri: Auf Google werden wir mit dem englischen Namen aber auch keine besseren Hits bekommen.

Claudia Lomoschitz: Ah, da fällt mir ein: Seit es die Band gibt habe ich auch ein Projekt, bei dem Männer Milch geben können.

Anna Barbieri: Schreib mal einen Song dazu!

Männermilch.

Anna Barbieri: Was für ein Titel.

Claudia Lomoschitz: Aber das ist was anderes.

Julia Riederer: Bei uns nicht.

Zumindest würde es in eure Ein-Wort-Titel-Konzept reinpassen.

Anna Barbieri: Es könnt auch nur Milch heißen. Und im Refrain heißt es dann: Latte, Latte, Latte!

Claudia Lomoschitz: Das Italienische magst du doch nicht mehr.

Anna Barbieri: Wer hat gesagt, dass das Italienisch ist?

Julia Riederer: Leute!

Anna Barbieri: Ich liebe Zweideutigkeiten.

Claudia Lomoschitz: Ich habe grad notiert: Männermilch und Latte, Latte, Latte.

Anna Barbieri: Vielleicht heißt der Song auch Milchkaffee.

Julia Riederer: „Plant“, „Butter“, „Latte“ – wir machen einfach die Lebensmittel durch.

Claudia Lomoschitz: Bis wir dann bei „Koks“ landen.

So ein Glück, dass das alles nur Spaß ist. 

Anna Barbieri: Na wart, in Vorbereitung für das Interview …

Was? Ihr habt euch vorbereitet? 

Julia Riederer: Wir dachten, du fragst sicher, woher der Name kommt.

Und ihr wollt das jetzt erzählen, nehme ich an. 

Anna Barbieri: Julia hat das sehr beschäftigt.

Julia Riederer: Weil ich es nicht mehr weiß.

Claudia Lomoschitz: Ich aber. Wir haben den Namen von Schülerinnen, die nannten sich die Fitten Dritten. Wir haben das genommen und es in Die Fitten Titten umgeändert.

Julia Riederer: Hast du es nicht falsch verstanden und es hieß immer schon Die Fitten Titten?

Na ja, dann wäre das ja nicht wirklich geklaut. 

Julia Riederer: Ja eben.

Anna Barbieri: Aber es ist der Reim, auf dem alles aufbaut.

Julia Riederer: Es ist trotzdem nicht geklaut.

Ha, das wäre auch ein guter Songtitel! 

Claudia Lomoschitz: Ja wart, ich tipp eh schon.

Anna Barbieri: Jedenfalls gibt‘s bei uns fast keine Fakten.

Julia Riederer: Und die Geschichte mit den Schülerinnen stimmt auch nicht.

Anna Barbieri: Ich kam zur Band und konnt’s nicht glauben.

Julia Riederer: Auch ein guter Songtitel!

Anna Barbieri: Ich war plötzlich eingeteilt! Plötzlich hatte ich Druck, einen Song zu schreiben.

Du musstest einen Song schreiben? 

Claudia Lomoschitz: Wenn man neu in der Band ist, muss man sich zuerst mal profilieren.

Anna Barbieri: Und ich musste liefern!

So schnell kann‘s gehen. 

Anna Barbieri: Ich habe das Gefühl, wir haben in der letzten halben Stunde wieder drei neue Lieder geschrieben.

Claudia Lomoschitz: Ja! Was hast du grad gesagt? Ich kam zur Band und …?

Anna Barbieri: Konnt‘s nicht glauben! Ich habe aber wirklich nicht geglaubt, dass die Band so eine lange Geschichte hat. Und dass ihr schon vier Mal gespielt habt!

Claudia Lomoschitz: Wir waren ja schon fast berühmt.

Anna Barbieri: Als wir dann gemeinsam im Einbaumöbel und im Dessous gespielt haben, gab es eine Choreografie. Zu Beginn standen wir mit dem Rücken zum Publikum und haben uns dann in einem Schwung umgedreht.

Julia Riederer: Hatten wir da auch schon eine Choreografie?

Claudia Lomoschitz: Das erste und letzte Mal!

Anna Barbieri: Außerdem hatten wir so einen Stress, weil wir die Instrumente wechseln mussten. Das war das totale Chaos.

Claudia Lomoschitz: Alle sollten an allen Instrumenten sein.

Julia Riederer: Und niemand wusste, wer wo hingehen muss.

Anna Barbieri: Das Beste daran: Wir hatten eine Bassgitarre beim Konzert dabei, weil ich mal Bass gespielt hab. Ich konnte also ein bisschen spielen.

Claudia Lomoschitz: Aber beim Konzert und mit den Umbauaktionen musste den ja auch jede von uns halten.

Anna Barbieri: Ja, halten. Das war wichtig. Ich bin teilweise direkt vor dem Verstärker gestanden und da ist nix rausgekommen. Irgendwie wollten wir trotzdem Instrumente dabeihaben. Wir sind zwar davon abgekommen, aber eigentlich sollten die Playback-Instrumente zurückkommen.

Julia Riederer: Wir hatten auch mal eine E-Gitarre! Lisa hat die gespielt.

Claudia Lomoschitz: Ja, das ist meine! So eine ganz günstige vom Hofer.

Anna Barbieri: Wegen der Butter!

Julia Riederer: Wir werden vor Konzerten immer gefragt, macht ihr auf der Bühne was mit Lebensmitteln. Und wir so: Nein, nein!

Claudia Lomoschitz: Und dann kommt der letzte Song: „Butter“.

Julia Riederer: Alles wird verschmiert.

Claudia Lomoschitz: Mehl haben wir auch dabei.

Julia Riederer: Die Grundnahrungsmittel halt.

Anna Barbieri: In München haben wir auf der Bühne sogar Teig geknetet. Jetzt gibt es aber weniger Butter-Action- Das Mehl ist dafür geblieben.

Anna Barbieri: Da fällt mir ein, wir müssen die Speicherkarte unbedingt finden. Auf den Fotos ist der Bass drauf!

Julia Riederer: Der lehnt einfach an der Wand.

Anna Barbieri: Nein, ich halte ihn natürlich. Wir brauchen die Fotos!

Ja, die Leute müssen … 

Anna Barbieri: Einen Eindruck von diesem Wahnsinn bekommen.

Und mehr von euch erfahren, wollte ich sagen. 

Claudia Lomoschitz: Ich bin noch immer erstaunt, dass du uns beim Konzert gesehen hast. Das heißt, es gibt Die Fitten Titten doch.

Vielen Dank für das Gespräch!

Christoph Benkeser

 

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Links:
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