ALMA (c) Daliah Spiegel

ALMA – „Oeo“

Musik, die vieles in sich vereint, die Tradition respektvoll bewahrt und doch auch auf begeisternde Weise die Tore hin zum Neuen öffnet: ALMA zeigen sich auch ihrem neuen Album „Oeo“ (col legno) als eine Formation, die den Begriff Weltmusik auf fesselnde Weise neu zu definieren weiß.

Im Grunde genommen hat es sich schon auf der letzten Veröffentlichung „Transalpin“ (2015) angedeutet: Die fünfköpfige Formation, die sich einst darangemacht hat, der traditionellen alpinen Volksmusik einen neuen zeitgenössischen Anstrich zu verpassen, ist auf ihrem neuen Album nun endgültig in eine andere musikalische Dimensionen eingetaucht. Natürlich verleugnen ALMA, die in diesem Jahr mit dem Sonderpreis des deutschen Weltmusikpreises RUTH ausgezeichnet wurden, ihre volkmusikalischen Wurzeln auch in ihren neuen Stücken nicht, sie spielen auch weiterhin eine gewichtige Rolle, doch es ist – was das Musikalische betrifft – seit den Anfängen viel, viel mehr dazu gekommen.

Julia Lacherstorfer (Violine, Gesang), Evelyn Mair (Violine, Gesang, Tamburello), Marie-Theres Stickler (diatonische Harmonika), Matteo Haitzmann (Violine, Gesang) und Marlene Lacherstorfer (Kontrabass, Gesang, Tamburello) zelebrieren auf „Oeo“ ihre ganz eigene Art des Crossovers, eine, die sich mit spielerischer Leichtigkeit wirklich über jede stilistische Grenzziehung hinwegsetzt und die unterschiedlichsten Musiken und musikalischen Epochen in ganz wunderbarer Weise verbindet.

Stimmungsvolle und farbenreiche Klangbilder

Das Quintett entführt seine Hörerschaft in die Welt des vollkommen gediegenen Klanges, in der der pulsierende Dreivierteltakt der heimatlichen Volkmusik in unterschiedlichsten Ausformungen mit den Melodien ferner Regionen zu einem faszinierenden Ganzen wird. In den Stücken von ALMA schlägt das Pendel unentwegt hin und her, an einer Stelle wird ein mehr kammermusikalischer Ton angeschlagen, an einer anderen wiederum geht es mehr in Richtung der diversen Arten des Folk. Da und dort treten dann auch noch eine Prise Pop und Rock sowie Klassisches hervor, die durch die Kreuzung mit dem Schwung des Walzers, der Energie der Polka und der Eleganz der Musette eine faszinierende Neudeutung erfahren.

ALMA bringen auf „Oeo“ den Grund dafür zu Gehör, warum sie dort stehen, wo sie stehen, warum sie den hervorragenden Ruf genießen, der sie mittlerweile auch im Ausland bekannt gemacht hat. Das neue Album der fünfköpfigen Formation ist eines, das richtiggehend unter die Haut geht, tief liegende Gefühle erweckt, feiern, träumen wie auch in wunderbarster Melancholie schwelgen lässt. Julia Lacherstorfer und ihr Ensemble malen stimmungsvolle und farbenreiche Klangbilder, die in höchstem Maße anregen und mit jedem Ton zu einem intensiven Hörerlebnis anwachsen. Ein wirklich besonderes Stück Musik.

Michael Ternai

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