Alien Hand Syndrome – slumber

Nach dem euphorisch gefeierten Debütalbum „The Sincere and The Cryptic“, welches im November 2011 veröffentlicht wurde,  erscheint Ende September der Nachfolger „slumber“.

Clemens Engert hat mit „The Sincere and The Cryptic“ einen ausgezeichneten Start hingelegt. Die Mischung aus Industrial, Noise, Gothic, Post und Alternative-Rock mit Streicher-Arrangements hat sowohl Kritiker als auch Hörer gleichermaßen begeistert. Jedoch aber entsteht nach einem erfolgreichen Debüt des Öfteren der Druck ein besseres oder zumindest einen gleichwertigen Nachfolger zu releasen. Von diesem ist auf „slumber“ in keinem Moment etwas zu spüren. Clemens Engert ist es gelungen, einen würdigen, wenn nicht einen noch besseren Nachfolger abzuliefern.

Um seine musikalischischen Vorstellungen umsetzen zu können, holte sich der Multiinstrumentalist dieses Mal eine Reihe namenhafter österreichischer MusikeInnen, wie Marilies Jagsch, die manchen Tracks ihre Stimme verleiht, Rene Mühlberger (Gitarre), Alex Schuster (Schlagzeug), Emanuel Rudas (Bass) sowie Lucy Cotten und Anna Staringer an Pianos und Celli mit an Bord. Ebenfall Unterstützung erhielt Clemens Engert von Stefan Deisenberger von „Naked Lunch“, der einige Keyboard- und Gitarren-Parts übernommen, sowie das Album auch aufgenommen, produziert und abgemischt hat. Das Projekt war also in guten Händen.

Im Vergleich zur ersten CD, welche um einiges experimenteller und „stürmischer“ ertönte, wurde auf den Noise & Industrial Sound, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, mehr oder weniger verzichtet. Vielmehr richtete man den Fokus mehr auf Streicher- und Klavier- Arrangements, die den Songs einen gewissen Singer/Songwriter und Post-Rock Charakter verleihen sollten.

„Meine Musik ist, so hoffe ich zumindest, nicht einem einzelnen Genre zuordenbar“. Diese Tatsache bestätigt sich auch auf „slumber“ nach wiederholtem Hören Von einem Moment auf den anderen schießen einem Gedanken, diese Sachen irgendwie zu kennen, durch den Kopf, wobei aber letztlich  alles dann plötzlichdoch in eine andere Richtung geht. Clemens Engerts Stimme klingt wie ein Cocktail aus einem großen Teil Conor Oberst (Bright Eyes), einem Teil Robert Smith (The Cure),  ein wenig Christian Neuburger (Slut) und einer Prise Brian Molko (Placebo). Was diese vier Sänger mit Engert verbindet, ist die Verletzlichkeit, welche die melancholische Grundstimmung ihrer Musik unterstreicht. „Ich will, dass das Unbewusste die Möglichkeit hat, sich zu entfalten“. Ein wahres Kopf-Kino mit klassischem Gruselfilmcharakter also, das sich aus dem Unterbewusstsein herauskristallisiert, ohne dabei aber aufdringlich zu sein. Die Musik Engerts ist zwar einer melancholischen und todtraurigen Note, aber erfreulicherweise alles andere als kitschigen.

Und wenn man schon bei dem Thema Kino ist: der Opener „Violent Yellow“ fände ohne weiteres auf einem düsteren Westernsoundtrack Platz und die Songs „Ballad About The Cranes“ und „Dark Was The Night“ könnten genauso gut aus einem Tim Burton Film entsprungen sein. Die erste Singleauskopplung „Daniel And The Lions“ hat durch seinen Ohrwurmcharakter Potenzial, zu einem großen Hit zu werden und die internationalen Alternative-Charts zu stürmen.
Alles im allem „slumber“ ist ein durch und durch gelungenes Zweitwerk, das vor allem Freunden der etwas dunkleren Klänge ans Herz gelegt sei.
Philipp Bonell

Fotos: Joanna Babicka
nächster Live Termin: 24. September Chelsea, Wien

http://www.alien-hand-syndrome.com/