
Es gibt in der Musik erfreulicherweise immer noch neue hochspannende Dinge zu entdecken. Die Formation Flugfeld, das Projekt des Stimmakrobaten und Elektronikkünstlers Helge Hinteregger, ist eines dieser außergewöhnlichen musikalischen Ereignisse, welches schlicht, in welcher Form auch immer, in Erstaunen versetzt. Was der Kopf der Truppe und seine beiden Mitmusiker Martin Zrost (Bass, Saxophon) und Paul Skrepek (Schlagzeug) auf den Weg bringen, liegt so weit abseits des gewöhnten Klang-Verständnisses, dass man geneigt ist, der Musik des Dreiers die höchste Exklusivität zuzusprechen. Flugfeld ist eine Art Experimentierfeld, auf dem neue Wege der Musikerschaffung beschritten und stilistische Grenzen ganz außer Kraft gesetzt werden. Was entsteht ist etwas komplett Neues, eine bisher unbekannte Klangkulisse, die zwischen den Polen Improvisation, Freejazz und Hardcore-Noise hin und her pendelt. Nach herkömmlichen Songstrukturen sucht man in der Musik von Flugfeld vergeblich. Vielmehr ist hier der Weg das Ziel, es ist der spontane Entstehungsprozess an sich, der im Vordergrund steht.
Flugfeld – pim da boogie by mica
Es ist vor allem die Einbeziehung des Kehlkopfs von Helge Hinteregger als Klangerzeuger, die Flugfeld von den anderen im experimentellen Feld agierenden Bands so sehr unterscheidet. Selber bezeichnet das Trio seine Musik als „throatmusic“. Über ein selbst entwickeltes Mikrofon, das außen am Kehlkopf montiert ist, werden die Geräusche abgenommen. Das Signal wird danach über digitale Touchpads live bearbeitet. Auf diesem Weg entstehen solcherart ungewöhnlich bizarre Klangwelten, wie man sie im musikalischen Kontext nur selten davor gehört hat. Helge Hinteregger gurgelt, röchelt und brüllt was das Zeug hält, immer in Interaktion mit den beiden Instrumentalisten Zrost und Skrepek, die in bester Freejazz-Manier für den vertrackten und sich immer in Bewegung befindlichen rhythmischen Unterbau sorgen.

Foto Flugfeld: Stephan Sperlich
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