Es gibt nur wenige österreichische MusikerInnen, die in den vergangenen Jahrzehnten der heimischen Szene so sehr den Stempel aufdrückt haben, wie es die Gitarrist Karl Ratzer getan hat. 2009 feierte der Wiener seinen sechzigsten Geburtstag, der im Rahmen des Wiener Jazzfests mit zwei Konzerten auch gebührlich gefeiert wurde. Abermals gleich zweimal im Wiener Porgy & Bess zu Gast ist die Jazzlegende mit seiner hochkarätig besetzten Band in der kommendem Woche zum Jahreswechsel am 31. Dezember und 1. Jänner.
Karl Ratzer blickt aus musikalischer Sicht auf eine sehr bewegte und vor allem erfolgreiche Karriere zurück. Nicht viele österreichische MusikerInnen können von sich behaupten, mit den ganz Großen der Jazzszene zusammengearbeitet zu haben. Der seit mehr als vier Jahrzehnten als Musiker tätige Karl Ratzer lernte sie fast alle kennen, Eddie Gomez, Jeremy Steig, Steve Gadd, Joe Chambers oder Art Farmer. Ebenso schätzten die Trompetenlegende Chet Baker sowie die Funk-Ikone Chaka Khan die außergewöhnlichen spielerischen Fertigkeiten des Wieners und arbeiteten mit ihm mehrfach zusammen.
In der Wiener Szene Bekanntheit erlangte der Autodidakt erstmals mit der Ende der sechziger Jahre gegründeten Formation „Gipsy Love“. Doch den ambitionierten Musiker wurde es mit der Zeit in Österreich zu eng und so zog es ihn hinaus in die weite Welt. Anfang der siebziger Jahre übersiedelte Karl Ratzer in die USA, wo er erstaunlich schnell Anschluss fand. So war er gleich zu Beginn seines Aufenthaltes in ein Projekt mit dem Namen "High Voltage" involviert, welches später als "Rufus & Chaka Khan" zu Weltruhm gelangte. 1977 gründete er in New York eine Band mit Jeremy Steig, Dan Wall, Eddie Gomez, Joe Chambers und Ray Mantilla. 1980 kehrte Karl Ratzer schließlich wieder in seine Heimat zurück, wo er sich musikalisch mit seiner eigenen Formationen bis heute höchst aktiv betätigt.
Stilistisch ist der Gitarrist als Grenzgänger bekannt. Musikalisch im Blues und Rock’n’ Roll sozialisiert, unternahm der Wiener schon früh Ausflüge in den Jazz, Soul und Funk. Dank seines ausgeprägten Rhythmusgefühls und breiten Musikverständnisses fand sich Karl Ratzer spielend in den unterschiedlichsten Spielarten zurecht. So meint etwa der amerikanische Gitarren-Experte Bill Milkowski: „Er hat einen fetten, sahnigen Ton, eine mutige Improvisations-Ader, eine Vibrato-Technik, dass du sterben möchtest, und einen Hang zu echtem Blues, Funk und Soul“. Egal in welchem Projekt der Gitarrist auch involviert ist, es gelingt ihm stets, dem Dargebrachten durch sein unverwechselbares Spiel eine eigene Note aufzudrücken.
Davon überzeugen, dass der Karl Ratzer noch lange nicht zum alten Eisen gehört, kann sich das Publikum im Rahmen der beiden Konzertabende im Porgy & Bess, wo er mit einem erstklassig besetzten Ensemble (Heinz Czadek, Peter Tuscher, Raimund Aichinger, Larry Porter, Christoph Petschina, Joris Dudli) einmal mehr eine Kostprobe seines außergewöhnlichen Könnes abliefern wird. (mt)