Konzept

Performance – Diskussion – Workshops – Plattform – Forum – Austausch – Vernetzung

  • Klangspiegel: London/Wien ist ein dreitägiges offenes Experimentierfeld und Labor für die Weiterentwicklung der Klangkunst und der Intermedialität.
  • Klangspiegel: London/Wien findet Raum zwischen den tradierten Kunstsparten und beabsichtigt, die vielfältige österreichische und internationale KlangkünstlerInnen-Szene zu vernetzen, in einen kommunikativen und ästhetischen Austausch zu bringen und darüber hinaus eine gemeinsame ästhetisch/stilistisch/inhaltlich grenzüberschreitende Präsentationsmöglichkeit zu finden.
  • Klangspiegel: London/Wien ist weder genre- noch strukturbehaftet, weder Vorgabe noch Manifest, sondern Zugang und kommunikativer Ausgangspunkt.
  • Klangspiegel: London/Wien wird von KünstlerInnen gemacht und findet zugleich im Alltag statt.
    Klang, Identität, Duktus, Strich, Dialekt, Sprache, Ton der verschiedenen KünstlerInnen treffen bei
  • Klangspiegel: London/Wien aufeinander und lassen neue Kunst entstehen.

Kunst setzt Sinnlichkeit in Bewegung, stellt die Verkörperung des geistigen Schaffens im erweiterten Sinne dar. Ohne sinnliche Wahrnehmung gibt es keine Regung. Geistige Aktivität ist gleichzeitig Entstehung, die Idee ist Objekt und Potenzial zugleich. Gemeinsames Hören, Schauen, Beobachten ermöglicht gemeinsame Bewegung, evoziert die Formulierung des eigenen Schaffens. Künstlerische Produktion ist ein lebendiger, aus dem Körper kommender Prozess, in welchem „[…] Head, Heart and Hips“ involviert sind.
Das Spannungsverhältnis zwischen uns und unserer natürlichen Umgebung, die wir hören, riechen, genießen, gestalten und auch zerstören, manifestiert und verkörpert sich u. a. im kreativen Gestalten. Der Körper und somit der Mensch sind einer immer künstlicher werdenden Umgebung ausgesetzt, stehen aber immer in Bezug zu einer ursprünglicheren, ewigeren Natur. Im Gegensatz zur postmodernen Auffassung, welche Natur als Antithese zur Kunst versteht, vertritt die zeitgenössische Kunstphilosophie die Ansicht einer Ästhetik der Natur, deren „[…] Objekte und Szenerien wie Kunstwerke erscheinen.“ Wir haben nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ästhetische Verpflichtung gegenüber der Natur, die „Schauplatz einer einzigartigen Begegnung mit Formen und Möglichkeiten vergangener, gegenwärtiger und selbst künftiger Kunst“ ist.

Im Rahmen von Klangspiegel: London/Wien bringt Jana Winderen ein Klangstück aus bisher kaum beachteten Feld- und Wasseraufnahmen der Donau zur Aufführung. Die Filmkünstlerin Mia Makela beschäftigt sich mit Algen als Filmobjekte und bedrohte Lebewesen. Die Auseinandersetzung mit Kunst und Natur reicht aber auch in bildhafte, imaginäre Bereiche, wie in die Musik von Hildur Gudnadottir bzw. in die Vielschichtigkeit von Nakaijma Ries Klanginstallation.

Ausgehend von Julia Kristevas Trennung zwischen Geno- und Phänotext, definierte Roland Barthes zwei Arten des musikalischen Ausdrucks: Ersteres steht für den unmittelbaren, unbewussten Ausdruck, letzteres für technische Präzision. Somit kann sich die Auseinandersetzung mit Natur auch in digitaler und elektronischer Kunst manifestieren. Beispielsweise verwendet die britische Klangkünstlerin Zahra Mani Elektronik, um organische Naturgeräusche in musikalisches Ausgangsmaterial für ihre Stücke zu wandeln oder bearbeitet Mia Zabelka mittels live Elektronik die Beziehungen zwischen Körper, Stimme, Gestik, Sound, Maschinen und Raum.

Die KünstlerInnen werden neben der Präsentation ihrer neuesten Projekte als One.Night.Band auch kollaborative, teilweise intermediale Stücke erarbeiten, die im Rahmen von Klangspiegel:London/Wien zur Uraufführung gebracht werden. Umrahmt wird das Festival von der Klang- und Videoinstallation „Plant Drummer“ von Christine Ödlund.

Gleichzeitig besteht für Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit, sich über eine speziell für das Festival eingerichtete Webseite (http://www.phonofemme.at) in Chatspaces und auf Basis der Open Sound-Technologie, Video- und Audiofiles zu tauschen und zu bearbeiten. Das interessierte Publikum und die Digital Community haben im Rahmen der Homepage die Möglichkeit, diesen künstlerischen Art-in-Progress mitzuverfolgen und mitzugestalten.

Auch werden im Rahmen von Klangspiegel:London/Wien Workshops für Jugendliche und Erwachsene zum Thema Klangkunst unter der Leitung der teilnehmenden KünstlerInnen stattfinden, die Einblicke in ihre Klangwerkstätten bieten werden.

Mia Zabelka