MUSIC AUSTRIA

Porträt: Ernst Molden

Erst vor wenigen Monaten erregte Ernst Molden mit seinem Singspiel  „Häuserl am Oasch“, ob seines schier unendlichen kreativen Potenzials, wieder einmal eine Menge Aufsehen. In gewohnt sarkastischer Manier beleuchtet der Liedermacher und Autor in diesem Stück die Tiefen der Wiener Seele. Dieses Thema zieht sich wie ein Roter Faden durch das bisherige Schaffen des rastlosen Künstlers. Egal ob nun in geschriebener oder gesungener Form.  Ernst Molden, Österreichs vielleicht bekanntester Liedermacher, ist mit vielen Talenten gesegnet, was ihn aber nicht davon abhält, bescheiden zu bleiben.

Nein, Molden ist kein Mann der lauten Töne. Seine Texte, Kolumnen und Essays alleine sind schon aussagekräftig genug, um gehört zu werden. Er ist ein Künstler, der sich in der Literatur ebenso zu Hause fühlt wie auch in der Musik. Er betrachtet diese auch nicht getrennt, sondern lässt sie auf seine typische Art ineinander fließen. In der Liedermacherkunst sieht der im Jahre 1967 geborene Wiener jenes Vehikel, über welches er seine (Alltags-) Geschichten in die Öffentlichkeit tragen kann. Die Liste der Verehrer seiner Kunst ist lang und reicht von Rainer Krispel und Robert Rotifer über Willi Resetarits bis hin zu Walther Soyka.

In eine Wiener Literaten- und Publizistenfamilie hineingeboren, scheint Moldens Weg von Beginn an praktisch vorgezeichnet. Doch der heutige Liedermacher und Schriftsteller ist auch ein Paradebeispiel für einen Freigeist und einen Querdenker. So verwundert es wenig, dass er sein begonnenes Germanistikstudium nach kurzer Zeit an den Nagel hängt, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Nach diversen publizistischen Tätigkeiten, wie etwa bei der Tageszeitung „Die Presse“, übernimmt Molden von 1991 bis 1993 die Position als Dramaturg und Hausautor am Wiener Schauspielhaus.  Nach dem Ablauf dieser Anstellung beschließt der Wiener fortan als Musiker und Schriftsteller zu arbeiten.

In den folgenden Jahren veröffentlicht Ernst Molden, offenbar von einer immensen kreativen Schub erfasst, vier Romane (Die Krokodilsdame, Biedermeier, Austreiben und Doktor Paranoiski) sowie drei Essaybände (Weißer Frühling, Christbaumkaufen-Badengehen und Wien). Damit nicht genug betätigt sich der Wiener auch dem auf musikalischen Terrain höchst aktiv. Unter anderem veröffentlicht er zwei CDs mit den von ihm mitbegründeten Pop/Poetry-Formationen „Teufel & der Rest der Götter“ und „Der Nachtbus“. Unter eigenem Namen folgen die Alben „Nimm mich Schwester“ (2003), „Haus des Meeres“ (2005) und „Bubenlieder“ (2006). Spätestens mit diesen beiden Veröffentlichungen ist es Ernst Molden gelungen, sich als eine Fixgröße in der deutschsprachigen Liedermacherszene zu etablieren.

Mit „Foan“ und „Wien“ ist der Molden 2008 gleich mit zwei neuen Alben am Start. Und wie schon bei den vorhergegangenen Outputs zeigen sich die Kritiker erneut begeistert, ja fast euphorisch. So schreibt Samir H. Köck in der Presse im Juni 2008: „Moldens neue Alben zählen zum Schönsten, das je im österreichischen Pop aufgenommen wurde". Dietmar Hoscher vom Musikmagazin Concerto meint: „Molden hat sich so leise wie unaufhaltsam an die Spitze der Liedermacherszene gespielt, gesungen, getextet." Die beiden Alben, die als eine Art musikalische Hommage an Moldens Heimatstadt Wien gedacht sind, zeigen Molden als einen höchst eigenständigen und in seinem Stil fast unverwechselbaren Künstler. Wie kaum einem anderen gelingt es dem Liedermacher, das Lebensgefühl der Stadt mit all seiner Melancholie aber auch Hoffnung in so authentischer Form wiederzugeben.

2009 schließlich folgt das mit Unterstützung von Willi Resetarits und Walther Soyka eingespielte Album „Ohne Di“. Noch stärker als zuvor orientiert sich der Liedermacher am Austropop der Marke Danzer oder Ambros, ohne jedoch diesen zu kopieren. Vielmehr beschreitet Molden eigenen Weg, der ihn musikalisch eine Brücke vom Blues amerikanischer Prägung hin zum Wienerlied schlagen lässt. „Ohne Di“ ist ein Stück "neue, echte Wiener Popmusik", das befreit von jeglichem Klischee, den Begriff Austropop einer neuen Begrifflichkeit zuführt.

Im April dieses Jahres folgte Ernst Moldens bisher letzter Streich. Mit „Häuserl am Oasch“ präsentierte der Liedermacher und Schriftsteller im Wiener Rabenhoftheater ein vielbeachtetes Singspiel. Erneut ist es die Wiener Seele, die zum Thema der tiefschwarzen künstlerischen Auseinandersetzung erhoben wird. Ernst Molden ist ein Künstler, der, egal in welchem Gebiet er gerade auch tätig, sich immer wieder neu erfinden kann und in unterschiedlichen Kreisen Anerkennung geniest. Ob nun als Austropopper, Liedermacher oder Wienerliedinterpret, Molden wirkt stets authentisch, der aufgrund seiner weitreichenden Talente, sich wohl niemals sagen wird lassen müssen, was er denn zu tun hätte. (mt)

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