MUSIC AUSTRIA

Polka Nova 2011

Dass moderne Volkmusik durchaus mehr zu bieten hat, als es die gängigen "Musikantenstadl-Klischees" vielleicht vermuten lassen, stellt das am 10. Mai beginnende Festival "Polka Nova" unter Beweis. Drei Abende lang präsentieren sich den BesucherInnen im Wiener Porgy & Bess mit Mnozil Brass, dem Holstuonarmusigbigbandclub und Broadlahn drei Ensembles, die den Schritt weg von der eindimensionalen Auffassung von volkstümlicher Musik hin zu einer zu einer zu allen Seiten offenen Weltmusik vollzogen haben.

Lange Zeit schien es so, als würden bestimmte, vorwiegend urbane Kreise, alles, was aus dem Eck der Volkmusik kommt, wenn überhaupt, eher milde belächeln. Eine echte musikalische Auseinandersetzung mit dem Genre fand aufgrund der zahlreichen Vorurteile und vorgefassten Meinungen, welche der Musikgattung seit je her angehaftet haben, nicht statt. Erfreulicherweise hat sich das in den vergangenen Jahren aber geändert. Zu verdanken ist das vor allem einer jungen Generation MusikerInnen, die das Genre durch ihren unkonventionellen Zugang hin zu anderen Richtungen geöffnet und so der traditionellen Volksmusik quasi eine Art „Frischzellekur“ verpasst hat.

Die moderne „Volkmusik“ offenbart heute durch eine enorme stilistische Breite und ist für junge KünstlerInnen zu einem wahren Experimentierfeld geworden. So finden sich Elemente der traditionellen Volksmusik heutzutage nahezu in allen Musikrichtungen wieder, egal ob nun im Jazz oder im Pop, in der Klassik oder in der Elektronik. Was die „neue Volkmusik" zudem noch ungemein interessant macht, ist der regionale Aspekt, der sich wie in kaum einem anderen Genre so deutlich widerspiegelt. Die Veranstalter des Festivals Polka Nova versuchen genau an diesem Punkt anzusetzen. Den BesucherInnen, die schon in den vergangenen Jahren zahlreich erschienen waren, soll dargestellt werden, wie verschieden die Zugänge zur Volksmusik aussehen können.

So ist vor Konzerten des siebenköpfigen Jazzkollektivs Mnozil Brass, das am 10. Mai das Festival eröffnen wird, nur schwer vorherzusagen, in welche Richtung es musikalisch tatsächlich gehen wird. Dafür agieren Thomas Gansch und seine Kollegen einfach viel zu sehr an den Schnittstellen der verschiedenen Stile. Egal ob nun traditionelle Klänge oder Klassisches, höchst eigenwillig und neu bearbeitet, Schlager, Opern oder Popsongs parodiert oder jazzige Eigenkompositionen zum Besten gegeben werden, das seit 1992 bestehende Ensemble vereint auf unvergleichbare Art und Weise die unterschiedlichen Elemente in bester Crossover-Manier in einem ungemein abwechslungsreichen und vielschichtigen Gesamtsound.

Denselben Ansatz, mit aber einem vollkommen anderen klanglichen Ergebnis, verfolgt die Vorarlberger Formation Holstuonarmusigbigbandclub. Da sich das stilistische Repertoire der fünfköpfigen Formation von der Volksmusik über den Jazz bis hin zum Pop spannt, ist es schlicht unmöglich sie einer bestimmten Kategorie zuzuordnen. Was aber auch nicht wirklich wichtig zu sein scheint, geht es der Truppe doch einzig darum, das Publikum zu begeistern. Und das stellt sich mit solch mitreißenden Stücken, welche die Vorarlberger in ihrem Programm haben, als kein großes Problem dar.

Die am Abschlusstag auftretenden Broadlahn zählen ohne Zweifel zu den Pionieren der modernen Weltmusik. Die 1982 gegründete Gruppe war schon immer für ihre Offenheit gegenüber den unterschiedlichsten Strömungen bekannt. Schon früh erfüllte die experimentierfreudigen Musiker der Drang, über den genredefinierten Tellerrand hinaus hinauszublicken und neue Wege zu beschreiten. Die sechs Musiker aus der Steiermark sind in ihrem Schaffen stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, verschiedene musikalische Welten unter einem gemeinsamen Hut zu vereinigen. So vereinigen sich in der Musik der Combo auf ganz wunderbare Art und Weise Elemente des Jazz mit solchen des Ethno und der traditionellen Volksmusik. Selber bezeichnen Broadlahn ihren Stil als "Alpine Ethnomusik". Eine mehr als treffende Beschreibung.

Insgesamt bietet das Polka Nova Festival also auch in diesem Jahr einen höchst interessanten Querschnitt von der modernen Volks- und Weltmusikszene sowie deren unterschiedliche Ausformungen und Verzweigungen. Eine spannende Sache. (mt)

 

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