MUSIC AUSTRIA

Veranstaltungen

HUGO WOLF FESTIVAL: Lieder nach Eichendorff, Heine, Keller, Michelangelo und anderen Dichtern

Datum: 
Sam, 13.03.2010 - 19:30
Location:
1040
Wien
Argentinierstaße 30a


Lied im Bild
Das lied lab 2010: hugo wolf festival vom 12. bis 21. März im ORF RadioKulturhaus versteht sich als Kreativlabor, das Liedgesang auf höchstem Niveau mit der Kunst der Visualisierung zusammenführt. Anlass ist der 150. Geburtstag Hugo Wolfs, der als zentraler Liedkomponist und Neuerer gilt, aber im Musikleben der Gegenwart eher vernachlässigt wird. Auf Initiative von Bariton Wolfgang Holzmair, einem der weltweit profiliertesten Liedsänger und Hugo Wolf-Interpreten, und departure, der Förderstelle der Stadt Wien für die Kreativwirtschaft, werden an fünf Abenden Werke Hugo Wolfs von bedeutenden LiedinterpretInnen aufgeführt und von führenden österreichischen VisualistInnen live gestaltet.

Ausgangspunkt ist die Idee, für große, aber als schwierig geltende kulturelle Leistungen wie das Kunstlied mithilfe des digitalen Bildes neue Zugänge zu erarbeiten, zumal in Wien ambitionierte Szenen von VisualistInnen entstanden sind. So bietet die digitale Visualisierung fast unendliche Möglichkeiten, Menschen unterschiedlichen Bildungsniveaus, insbesondere jüngere Generationen für anspruchsvolle Musik zu begeistern. Es geht um spannende Anreize, sich erstmals oder erneut mit dem Kunstlied zu beschäftigen. Auch KennerInnen sollten auf ihre Rechnung kommen, bilden sich doch bei konsequenter, „laborartiger“ Beschäftigung mit dem Thema neuartige Kunstformen heraus, die das kulturelle Spektrum erweitern und bereichern.

Das Festival präsentiert führende VisualistInnen, deren Arbeit ein breites Spektrum künstlerischer Ansätze aufzeigt, sowie herausragende österreichische bzw. in Österreich lebende InterpretInnen des Liedgesangs, denen die Liedkunst Hugo Wolfs ein besonderes Anliegen ist. Eine neue Entdeckungsreise in die aufregende Welt des Liedes beginnt.
Christoph Thun-Hohenstein, Geschäftsführer von departure

Wolfgang Holzmair über Hugo Wolf
Lieder von Hugo Wolf sind fur jeden ernsthaften Liedsanger nicht nur eine grose Bereicherung, sondern auch eine Herausforderung. Obwohl es sich von selbst versteht, dass Interpreten, die sich dem Kunstlied widmen, nicht nur den Text wiedergeben, sondern auch den emotionalen Inhalt vermitteln sollten (und zwar immer mittels der Musik, wohlgemerkt, und nicht durch trockenes Deklamieren), gilt Wolf noch immer als Spezialfall, ja sogar als schwieriger Komponist.

Das Ausmaß, in dem er seine musikalische Inspiration in der Melodie der Sprache findet, ist fast ohne seinesgleichen. Von Wolf wird gesagt, er habe bei Spaziergängen in der Natur Gedichte rezitiert, um sie auch wirklich zu beherrschen. Ausführende von Wolfs Musik – einschließlich der Pianisten (der Ausdruck Klavierbegleiter wurde den Anforderungen bei Wolf nicht gerecht) – waren gut beraten, gleichermaßen vorzugehen.

Es gibt natürlich zahlreiche wunderbare Melodien bei Wolf, und in einigen Fällen sogar richtige Ohrwürmer, aber die Regel sind Notenfolgen wie bei einem Rezitativ, in das sich nur bei intimer Vertrautheit mit den Gedichten Leben bringen lässt. So genügt ein Blick auf den Anfang von „Heb auf dein blondes Haupt“, „Wir haben beide lange Zeit geschwiegen“ oder „Und willst du deinen Liebsten sterben sehen“ aus dem Italienischen Liederbuch, wo Wolf erlaubt, die Deklamation der Worte auf demselben Ton zu singen; es ist Aufgabe des Interpreten, daraus Musik zu gestalten, die direkt mit dem Publikum kommuniziert und dieses berührt.

Im Einklang mit dem Prinzip, dass Liedgesang gleichbedeutend mit dem Erzählen von Gedichten ist, werden Sänger von Wolf-Liedern mit einer wunderbaren künstlerischen Aufgabe betraut, die – um darin wirklich erfolgreich zu sein – auch einen entscheidenden Beitrag vom Pianisten verlangt; in einigen Fällen dient der Klavierpart nur der Unterstützung des Liedsängers, in anderen wird das Klavier zum Mittelpunkt, gibt Kommentare ab oder macht hörbar, was zwischen den Zeilen steht.

Wolfgang Holzmair hat das Festival musikalisch kuratiert.

Besetzung:
Birgid Steinberger / Sopran
Hermine Haselböck / Mezzosopran
Bernhard Berchtold / Tenor
Florian Boesch / Bassbariton
Russell Ryan / Klavier
Claudia Rohrmoser / Visualisierung

Ein breites Spektrum der Liedkunst Hugo Wolfs bietet das zweite Programm des Liedfestivals mit Live-Visualisierungen am 150. Geburtstag des Komponisten.

Es vereinigt Lieder, die nicht in den vier großen Sammlungen (Mörike/Goethe/Italienisches Liederbuch/Spanisches Liederbuch) stehen und die wunderbar Wolfs Entwicklung miterlebbar machen. Steht „Liederstrauß“ nach Heine noch ganz im Zeichen Schumanns, so findet Wolf mit seinen Eichendorff-Liedern und der Konzentration auf einen eher unbekannten Eichendorff zu bis dahin noch nicht gekannten Tönen. Wie unterschiedlich er sich jedem einzelnen seiner Dichter nähert, bezeugen zudem in besonderem Maß seine Keller-, Byron- und Michelangelo-Lieder, letztere als gleichsam erschütterndes künstlerisches Vermächtnis.

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