Neuheiten Juli 2011

 

Matthias Pintscher - sonic eclipse (Kairos Music)
In dem dreiteiligen Ensemblezyklus sonic eclipse wird das Verdecken zum Thema des kompositorischen Prozesses. Im ersten Teil agiert die Trompete, im zweiten Teil das Horn als Soloinstrument. Beide werden im dritten Teil miteinander verschränkt und finden mit dem Ensemble zu vollständiger Verschmelzung. Als Bild für diesen Vorgang fand Pintscher das Phänomen der Eklipse, also des Übereinanderschiebens von Himmelskörpern und der gegenseitigen Verdunkelung im Moment der vollständigen Abdeckung.
Von Dämmerung zu Dämmerung, Morgen zu Abend, spannt sich der Bogen in a twilight’s song und dem zugrundeliegenden Gedicht von Cummings. Pintscher komponiert das „Dazwischen“, ein Eindringen in Tonfall und Struktur der Dichtung, er zeichnet die Bildsprache des Poems nach. Ein im deutlichen Abstand zueinander platziertes Instrumentarium lässt aus einem fast unhörbaren Wispern des Beginns einen Klangraum aus heterogenen Ereignissen erstehen – Geräuschhaftes, Schwebendes, Pulsierendes, Plosives, Atmen. In dessen Mitte die Bassflöte den Raum für die Sopranstimme vorbereitet.
Aus dem shir ha shirim, dem biblischen Lied der Lieder, hat Pintscher den fünften Gesang, she-cholat ahavah ani für eine A-Cappella-Chor vertont. Nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell eröffnet der berühmte hebräische Text besondere Perspektiven. „Im Hebräischen sind Worte wie Inseln, Energieträger, da alles aus kurzen Wortstämmen abgeleitet wird." Pintscher nutzt diese Strukturen. Jenes Kreisen, Wiederholen und Fortspinnen von Bildern von der abgrundtiefen Verzweiflung bis zur ekstatischen Verzückung verwandelt Pintscher in einen ausschließlich gesungenen Vokalsatz - in ein klingendes Kontinuum. (Marie Luise Maintz)
 

Friedrich Cerha - Bruchstück, geträumt (Kairos Music)
"Bruchstück, geträumt" mit dem Klangforum Wien unter der Leitung von Sylvain Cambreling war einer der Höhepunkte beim 25jährigen Jubiläum des Ensembles.
Cerhas "Bagatellen" für Streichtrio gehören zu einem schwierigen Repertoire, dem allenfalls Beethoven, op.45 von Schönberg oder Ikhoor, 1978, von Iannis Xenakis auf Augenhöhe begegnen.
Sein Orchesterwerk "Instants", 2010 in Köln uraufgeführt und vom WDR beauftragt, zählt heute schon zu den kraftvollsten orchestralen Emanationen im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. (Peter Oswald)

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