Wer sich für hochklassigen und virtuos dargebrachten Jazz begeistert, der sollte sich den am 31. Jänner im ORF KulturCafe des Wiener Radiokulturhauses stattfindenden Konzertabend im Kalender auf jeden Fall dick anstreichen. Zu Gast ist mit Herwig Gradischnig nämlich einer der versiertesten, interessantesten und zugleich umtriebigsten Vertreter der heimischen Szene. Begleitet von der hochklassig besetzten Band „Fine Four“ (Christian Havel, Milan Nicolic, Klemens Marktl) wird sich der für sein rhythmisch und harmonisch ausgereiftes Spiel bekannte Saxophonist einmal mehr auf eine faszinierende Klangreise aufmachen, die in durch die weite Welt des Modern Jazz führt.
Alleine die zwei Auszeichnungen mit dem begehrten Hans Koller Preis (1998 als „Newcomer of the year“, 2003 zusammen mit dem Pianisten Oliver Kent für die „Jazz-CD des Jahres“) sollten eigentlich schon Beleg genug für Herwig Gradischnigs herausragendes Musikverständnis sein. Es handelt sich hier um einen Jazzmusiker, der sich nicht und nicht in ein bestimmtes vorgefertigtes musikalisches Korsett einschnüren lassen will, der es vortrefflich und imposant versteht, zwischen den unterschiedlichen Welten zu wandeln, der seinen eigenen unverkennbaren Stil, seine einzigartige Klangsprache an der Schnittstelle zwischen traditionellen Standards und dem freien Spiel, zwischen altbekannten Interpretationen und improvisatorischen Ansätzen ansiedelt. Neben seiner spielerischen Virtuosität sind es aber auch vor allem diese ausgeprägte Offenheit, mit denen er den verschiedensten Musikformen begegnet, sowie die fast unbändige Experimentierfreude, seine unentwegte Suche nach neuen Herausforderungen, die besonders beeindrucken.
Seit nun über fünfzehn Jahren schon bereichert Herwig Gradischnig, der sein Handwerk einst unter anderem bei niemand geringerem als Harry Sokal verfeinern durfte, nun schon die österreichische Jazz-Szene mit seinem facettenreichen Spiel sowie seinen herausragenden kompositorischen Fähigkeiten. Als langjähriges Mitglied des legendären Vienna Art Orchestra, dem er von 1993 bis 2007 angehört hat, war es dem 1968 in Bruck an der Mur geborenen Saxophonisten immer auch ein Anliegen, seine eigenen Projekte voranzutreiben. Egal ob nun im Duo, im Trio, im Quartett oder in welcher Konstellation auch immer, Herwig Gradischnig umwebt das Dargebrachte mit einem lebendigen und berührenden Sound und hüllt die Musik im Gesamten in ein akustisches, nuancenreiches Kleid, welches geradezu zeitlos wirkt.
Der Abend im Wiener Radiokulturhaus bietet Jazzliebhabern, aber nicht nur diesen, einmal eine hervorragende Gelegenheit, sich ein Bild von diesem außergewöhnlichen Musiker und seinem vielschichtigen Schaffen zu machen. (mt)