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Cornerstone (c) Reinhard Mueller

„[…] jetzt will ich mal ein Jahr lang kein Studio mehr sehen“ – MICHAEL WACHELHOFER (CORNERSTONE) im mica-Interview

CORNERSTONE, 1998 in Mödling gegründet, sind in der heimischen, aber auch internationalen Alternative- und Melodic-Rock-Szene schon lange keine Unbekannten mehr. Auf ihrem aktuellen Album „Reflections“ haben sie ihren Sound verfeinert, sind sozusagen erwachsen geworden. Petra Ortner sprach mit Mastermind MICHAEL WACHELHOFER (Bass, Keyboards, Gesang).

Cornerstone waren bisher auf einer US-Tour und acht England-Tourneen, richtig?

Michael Wachelhofer: Ja, stimmt. Die Amerika-Tour war kurz vor dem letzten Album „Somewhere In America“, auf dem wir die Eindrücke und Erlebnisse dieser Tour festgehalten und verarbeitet haben. Auch die persönlichen Erlebnisse, die nicht immer ganz angenehm waren. Und im Sommer 2016 absolvierten wir die achte England-Tour.

Wie kommt es zu den vielen England-Gigs?

Michael Wachelhofer: Ich glaube, es ist der Musikstil dort. Als wir begannen, haben wir das Album „Head over Heels“ aufgenommen, das dann 2008 erschienen ist. Das haben wir mehr oder weniger nur für uns, für unseren persönlichen Geschmack aufgenommen. Und um bei den Konzerten etwas zum Verkaufen zu haben. Die Leute meinten damals, dass wir mit unserem Stil nach Amerika gehören. Wir meinten nur: „Na sicher, die werden auf Cornerstone warten.“ Doch dann haben wir ein Angebot von einer amerikanischen Plattenfirma bekommen. Das war noch zu Zeiten von Myspace. Die Leute von der Plattenfirma haben sich die Arbeit gemacht und mithilfe eines Übersetzungsprogramms alles auf Deutsch geschrieben, was wirklich witzig zu lesen war. Ich glaube, da war es halb sieben in der Früh und ich habe gleich alle angerufen und ihnen ganz aufgeregt erzählt, dass wir in Amerika einen Plattenvertrag haben. Dann kam eine Mail von unserem Promoter Nick Baldrian, mit dem wir immer noch zusammenarbeiten, und er meinte, dass unser Sound perfekt für England ist. Dort ist die Resonanz groß. Wenn wir dort auftreten, fiebern die Leute mit. Das ist einfach toll. In England gibt es einfach alles. Eine große Indie-Szene, Britpop-, Mersey Beat – und auch eine große Adult-Orientated-Rock- und Melodic-Rock-Szene. Und in Letzterer sind wir zu Hause.

Organisieren Sie für die Tourneen vieles selbst oder haben Sie dafür jemanden?

Michael Wachelhofer: Bei den letzten beiden Tourneen haben wir sehr viel selbst gemacht. Wir haben natürlich Booker und Promoter, die uns helfen. Fünfzig Prozent der Promotion haben wir selbst gemacht und die Tour-Termine haben wir selbst festgelegt. Wenn da was schiefgeht, sind wir schuld [lacht].

„Ich wollte nicht nur als Begleitmusiker auf der Bühne stehen.“

Es gibt eine neue Sängerin und einen neuen Drummer in der Band.

Michael Wachelhofer: Genau. Patricia Hillinger war sechs Jahre bei der Band und hat sich sehr lange mit Herz und Seele engagiert. Sie ist eine großartige Sängerin, doch Menschen ändern sich und schließlich haben wir uns entschieden, getrennte Wege zu gehen. Auch mit dem Schlagzeuger hat es einfach nicht mehr gepasst. Jetzt haben wir Alina Peter als Sängerin mit an Bord, die in Wien studiert und zwischen ihrer Heimat Salzburg und Wien pendelt. Sie ist sehr engagiert, singt sehr gut und ich habe wieder das Gefühl, dass wir wieder eine Band sind. Vorher hat sich alles so in Richtung Sängerin plus Band entwickelt. Als wir unsere Maxi-EP „Smalltown Boy“ veröffentlichten, ging es auch sehr stark in die Richtung Pop. Was ich ihr nicht vorwerfen möchte, denn es hat sich einfach so entwickelt, aber ich wollte wieder richtige Rockmusik machen. Ich wollte nicht nur als Begleitmusiker auf der Bühne stehen. Alina ist wieder ein Teil der Band. Und mit unserem Schlagzeuger Christoph Karas aus Melk funktioniert es auch sehr gut. Ein Mostviertler halt [lacht].

Wann begann die Arbeit am aktuellen Album „Reflections“?

Michael Wachelhofer: Mit der ersten Single, „Last Night“, haben wir eigentlich schon 2013 begonnen. Durch die Umstellung des Line-ups wurde die Arbeit aber für einige Zeit unterbrochen. So richtig am neuen Album gearbeitet haben wir dann wieder ab dem Sommer 2015. Da wurde alles für das Studio vorbereitet. Im Dezember war ein Demo fertig und damit bewarben wir uns – eigentlich nur zum Spaß – bei der Song-Contest-Vorausscheidung. Der Song – „Whatever“ – hat super gepasst, mit Klavier, Orchester und allem Drum und Dran. Beim Pre-Voting für die Wildcard wurden wir dann sogar vierter. Der Song ist natürlich auch auf der neuen CD. Im Jänner 2016 haben wir dann mit der Studioarbeit begonnen. Das dauerte rund fünf Monate. Also Ende Mai, Anfang Juni waren wir damit dann fertig. Das war sehr viel Arbeit. Wir arbeiteten gemeinsam mit dem Produzenten Harry Hess – Produzent von Billy Talent, Muse und so – von den Vespa Studios in Toronto, Kanada. Ein großartiger Mensch, Musiker und Produzent, aber es war logistisch etwas schwierig. Trotzdem haben wir es geschafft.

Wie haben Sie ihn bekommen?

Michael Wachelhofer: Es hat eigentlich schon bei „Somewhere in America“ mit Harry Hess Gespräche gegeben. Wir sprachen auch schon mit Beau Hill, der unter anderem schon mit Alice Cooper und Europe zusammenarbeitete und einen Grammy gewann. Damals hat uns aber jeder von einer Zusammenarbeit mit Beau Hill abgeraten, weil seine Zeit angeblich einfach vorbei war. Harry Hess war auch auf unserer Liste, doch er hatte keine Zeit, wenn wir konnten, und umgekehrt. Darum haben wir uns dann für jemand anderen entschieden. Für unser jetziges Album gab es eine längere Planungsphase und dadurch war die Zusammenarbeit dieses Mal kein Problem.

„Es klingt weder wie Savage Garden noch wie Guns N’ Roses.“

Wie weit hat er sich in die Produktion eingebracht?

Michael Wachelhofer: Nun, ich wollte etwas Radiotaugliches machen. Etwas, was wie Savage Garden klingt. Diese Gruppe mag ich sehr gerne. Steve wollte etwas Härteres, etwas in Richtung Guns N’ Roses und Metallica machen. Harry Hess hat aus diesem Stil-Mix seine Sachen gemacht, hat die Gitarren lauter gedreht und so. Er hat etwas erschaffen, was komplett eigenständig ist. Es klingt weder wie Savage Garden noch wie Guns N’ Roses. Er hat uns schon seinen Stempel aufgedrückt und zu Beginn musste ich mich erst mal daran gewöhnen, da wusste ich nicht so recht, ob ich es wirklich so haben möchte. Inzwischen liebe ich das Album und höre es ständig im Auto.

Hat sich die Arbeitsweise der Band damit auch verändert?

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Michael Wachelhofer (c) Reinhard Müller

Michael Wachelhofer: Steve und ich haben das Grundgerüst, also die Songs ausgearbeitet, so wie wir es eigentlich immer machen. Dann kommt die Band dazu und es wird so lange an den Songs gefeilt, bis jeder damit zufrieden ist. So ist unsere normale Vorgehensweise. Beim vorhin erwähnten Song-Contest-Song war es anders. Den haben Alina und ich geschrieben. Da wollten wir mal etwas anderes probieren. Er ist eigentlich eine Metamorphose aus zwei Songs. Ich hatte die Musik ohne die passenden Strophen und sie hatte einen Text ohne die passende Musik. Wir haben herumgespielt, die Teile zusammengesetzt und es war cool. Dazu wollten wir noch das Orchester, die Streicher und all das, hatten aber keine Ahnung, wie das geht – ich bin Rockmusiker. Ich war rund zwei Wochen nur damit beschäftigt, den Teil für das Orchester zu arrangieren. Aber diesen Song haben Alina und ich gemeinsam gemacht. Dazu hätte Steve zum Beispiel nicht wirklich etwas beitragen können, da keine Gitarren bei diesem Song vorkommen.

Sie komponieren am Klavier?

Michael Wachelhofer: Teils, teils. Beim aktuellen Album habe ich relativ viel am Klavier komponiert. Das hört man auch, da es keyboardorientierter ist als die letzten Alben. Die Gitarren sind natürlich nach wie vor im Vordergrund, aber diesmal haben wir bei jeder Nummer das Keyboard dabei. Wir sind jetzt aber keine Synthie-Band wie Depeche Mode oder dergleichen. Zwei Nummern komponierte ich auf der Gitarre.

Wie ist es einfacher?

Michael Wachelhofer: Es kommt auf die Idee an. Das kann man nicht pauschal sagen. Prinzipiell ist es auf der Gitarre ein bisschen einfacher, aber es gibt auch Dinge, die man auf der Gitarre nicht so einfach umsetzen kann. Es gibt da zum Beispiel den Song „Heart on Fire“, der sehr keyboardorientiert ist – ich glaube, es wäre nicht möglich gewesen, ihn auf der Gitarre zu schreiben.

Was war die größte Herausforderung bei diesem Album?

Michael Wachelhofer: Haha, die Keyboardarrangements. Das Album ist zum Teil in Kanada und zum Teil in Österreich entstanden. Das Problem war, dass einer von den zwei Leuten, mit denen wir hier aufgenommen haben, krank geworden und mit einer Lungenentzündung mehrere Wochen ausgefallen ist. Der andere hat nebenbei noch eine Firma und meinte: „Ich arbeite an dem Album mit, solange ich kann.“ Er hat dann auch Nächte durchgearbeitet, es ist sich aber nicht ausgegangen und im Endeffekt habe dann ich das Album fertiggestellt. Und den letzten Song „Once“ habe ich dann – bis auf den Gesang, um den sich dann der wieder gesunde Produzent gekümmert hat – komplett selbst aufgenommen. Die große Herausforderung war, dass ich allein mit Harry Hess dieses Album fertiggestellt habe. Das war sehr stressig, aber wir haben es hinbekommen.

Wie sehen jetzt die nächsten Pläne der Band aus?

Michael Wachelhofer: Bis Ende des Jahres sind wir jetzt mal auf Tour. Da gibt es Konzerte in Luxemburg, Deutschland, Österreich, in der Schweiz sind noch Konzerte in Planung. Die Konzerte, die weit weg sind, haben wir schon erledigt, also England, Holland und so. Ich werde dann einmal ein wenig Pause machen, denn ich habe jetzt seit Jänner nonstop für Cornerstone gearbeitet. Rund um die Uhr, 25 Stunden täglich [lacht]. Im nächsten Jahr ist dann für zwei, drei Monate mal ein wenig Ruhe. Wir werden dann aber natürlich weitertouren, in weiterer Folge auch wieder an einem neuen Album arbeiten, aber ich kann definitiv ausschließen, dass wir im nächsten Jahr ein Album veröffentlichen. Denn jetzt will ich mal ein Jahr lang kein Studio mehr sehen [lacht].

Vielen Dank für das Gespräch

Petra Ortner

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