Vorweg sei gesagt, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt, wie eine erfolgreiche Präsentation einer CD, von KünstlerInnen oder eines Labels jeglichen Genres aussehen sollte. Zu unterschiedlich sind die zu vermittelnden Inhalte und AnsprechpartnerInnen.Es gibt aber einige Punkte, die man bei einer Präsentation zumindest bedenken sollte:
- Fast alle JournalistInnen, Labels, VeranstalterInnen oder Dramaturginnen bekommen derart viele Anfragen, dass sie sich nicht die Zeit nehmen (können), sich ausreichend mit jeder Anfrage zu beschäftigen. Sie entscheiden daher oftmals schon in eine Vorauswahl, mit welchen Themen sie sich ernsthaft auseinandersetzen wollen. Diese Auswahl wird meist rasch und intuitiv getroffen, dafür ist nur der erste Eindruck, der vermittelt wird, entscheidend.
- Es ist daher sinnvoll, Zeit in die Form und Gestaltung der Präsentation zu verwenden, nicht bloß Fakten sind relevant, auch deren optische Aufbereitung ist wichtig. Das gilt sowohl für das Cover eines etwaigen beigelegten Tonträgers (mit Filzstift beschriftete CD-Rohlinge sind nicht das Non Plus Ultra), als auch für die beigelegten Infotexte.
- Zunächst sollte man sich klar machen, welche Inhalte man vermitteln möchte, und wen man damit ansprechen will, danach kann man sich über die Art der Vermittlung Gedanken machen. Präsentationen mit dem Fokus z.B.: „Ich bin ein extrem gut ausgebildeter Kontrabassist und suche ein Ensemble“ oder als konträres Beispiel - „Wir sind eine Punkband und suchen ein Label, das uns jeglichen kreativen Freiraum lässt“ – verlangen auch nach entsprechender unterschiedlicher Aufmachung. Also: welche Informationen will ich vermitteln? Wer ist mein Gegenüber? Welche Informationen sind für ihn/sie relevant? Eine Präsentation als Musikschaffender sollte nicht einem üblichen Bewerbungsschreiben inkl. CV gleichen.
- Tausende Bands suchen Labels, tausende MusikerInnen suchen Auftrittsmöglichkeiten – warum sollte gerade meine Anfrage angenommen werden? Antworten darauf - also Alleinstellungsmerkmale - suchen und im Text hervorheben.
- Die Infotexte sollten kompakt und möglichst gut geschrieben sein, schließlich werden diese von JournalistInnen oder VeranstalterInnen oftmals für deren Texte weiterverwendet.
- Inhalte, die relevant sein könnten:Musikalische Ausbildung (nicht in allen Genres und nur in relevantem Ausmaß. Keiner möchte vom Blockflötenkurs in derVolkschule lesen, wenn man inzwischen als Pop-Sänger eine Bookingagentur sucht…)Beschreibung der Musik in Worten, auch wenn eine Hörprobe auf CD oder per Weblink vorliegt. Diese sollte die Entscheidung, ob reingehört wird, positiv beeinflussen, also neugierig machen auf die Musik. Bisheriger musikalischer Werdegang, Bands/Ensembles/Orchester, Projekte, Veröffentlichungen, wichtige Auftritte/Aufführungen…Musikalische Ziele. Es macht einen Unterschied, ob jemand plant, von der eigenen Musik leben zu können oder ob er hobbymäßig tätig sein möchte. Kontaktdaten und weiterführende Links nicht vergessen.
- Künstlerfotos sollten nicht fehlen – auch hier gilt: besser mehr Zeit investieren und gute Fotos machen, die meine Botschaft und meine Inhalte unterstützen. Beliebige Urlaubsfotos erfüllen diesen Zweck eher nicht. Bei Schreiben an JournalistInnen sollte deutlich der Hinweis angebracht werden, dass der Abdruck der Fotos kostenfrei ist, da Zeitungen/Zeitschriften für den Abdruck von Fotos unbekannterer Bands keine Rechte abgelten wollen (für diesen Hinweis muss man natürlich aber auch der Rechteinhaber sein oder dessen Einverständnis haben!).
- Namedropping: wenn man schon mit renommierten Künstlern, Ensembles, Labels etc. gearbeitet hat, sollte man das unbedingt erwähnen. Auch Auftritte/Aufführungen bei bekannten Festivals oder als Vorgruppe von bekannten Acts können hilfreich sein. Aber besser keine langen Aufzählungen von Personen, die dem Adressaten vermutlich unbekannt sein werden.
- Presseclippings (Konzertankündigungen und -kritiken, Reviews, Portraits etc.) oder auch Zitate bekannter JournalistInnen oder MusikerInnen sollten, sofern vorhanden, verwendet werden.
- Visualisierung, also die bildhafte Darstellung von Informationen, macht Inhalte oft leichter erfassbar und leichter zu merken. Auch kann der gewünschte emotionale Inhalt damit sehr gut vermittelt werden.
- Ein persönliches Anschreiben, welches erläutert, warum ich mich gerade an diese Person(en) wende, ist wichtig. Man sollte nicht den Eindruck hinterlassen, es handelt sich um eine Sammelaussendung, die z.B. an alle heimischen Medien, Labels etc. gegangen ist. Wichtig hierbei: auf die richtige Schreibweise der Ansprechpartnerin bzw. des Ansprechpartners achten!
- Ein Tonträger (CD, Schallplatte) und eine Infomappe ist nicht die einzige Möglichkeit, sich gut zu präsentieren. Seine Musik als Datei (mp3 oder andere Formate) mit einem E-Mail zu verschicken ist zwar nicht anzuraten, solche Mails werden meist gelöscht, wenn sie nicht schon davor von Spamfiltern aussortiert worden sind. Ein persönlich gestaltetes E-Mail (mit der selben Funktion wie das oben erwähnte persönliche Anschreiben), in dem sich auch ein Weblink zu einer gut gestalteten Präsentationsseite mit Anhörmöglichkeit befindet, ist aber ein sehr guter Weg, der dem Ansprechpartner ermöglicht, sich rasch und ohne Aufwand mit dem Material auseinanderzusetzen.
- Mit „gut gestalteter Präsentationsseite“ ist nicht eine myspace-Seite gemeint – wobei natürlich nichts gegen eine myspace-Seite spricht, deren Gestaltungsmöglichkeiten sind aber für diesen Zweck zu eingeschränkt. Ein gutes Beispiel wäre z.B. diese Präsentation. Hier wurde sowohl auf einfache Bedienbarkeit, optische Aufbereitung als auch auf Information und weiterführende Links Wert gelegt.
- Vorankündigen und Nachbearbeiten: in manchen Fällen (z.B. bei der Suche nach einem Label oder einem Vertrieb) empfiehlt es sich, das Verschicken eines Demos oder einer Infomappe vorab per Mail anzukündigen. Im Zuge dessen kann man bereits versuchen, eine positive Erwartungshaltung zu erzeugen, auch lassen sich vergebliche Sendungen und unnötige Frustration vermeiden, wenn schon vorab klargestellt wird, dass kein Interesse an Demos oder ähnlichem besteht. Es ist auch auf jeden Fall sinnvoll, einige Tage nach dem Verschicken nachzufragen, ob das Paket angekommen ist und vielleicht schon Zeit gefunden wurde, in die CD reinzuhören oder die Infos durchzusehen. Wichtig dabei ist, dass man nicht gleich am ersten Tag nach dem Zustellung der Sendung anruft oder schreibt, und auch nach dem ersten Mail oder Gespräch nicht gleich jeden zweiten Tag wieder nachfragt, das könnte als ungeduldig oder gar lästig empfunden werden.
Praxistipps: „NICHT, und zwar wirklich auf keinen Fall, sollte man etwas tun, was leider sehr viele Bands machen: literarische Ergüsse, lyrische Kleinode verfassen über die eigene Befindlichkeit oder witzige Geschichten, die vielleicht die "Stimmung der Musik" ausdrücken sollen, verschicken. Nach den ersten 2 Zeilen gibts da nur mehr die Delete- Taste, leider....“ „Ich finde myspace eigentlich in dem Zusammenhang ziemlich super, man kann was hören, man kann die Menge der Zugriffe sehen und in welchem Umfeld sich ein Musiker bewegt.“ „Wenn man den Veranstalter dann mit so ca. 3 Mails bombardiert hat und er sich nicht zurückmeldet, dann interessiert’s ihn nicht. Damit sollte man zu leben lernen.“ „Gut ist es, wenn man noch ganz unbekannt ist, jemanden für sich einzunehmen, der schon bekannter ist, und den für sich um einen Gig bitten zu lassen (à la : ich kenne da eine super neue Band, sind leider noch unbekannt, aber ich kann sie dir nur ans Herz legen, dein xxx). Auch net blöd wäre, sich an bekanntere Bands, vorzugsweise aus dem eigenen Bekanntenkreis zu wenden und zu versuchen, ein Platzerl als Support zu ergattern.“ Herbie Molin, Veranstalter