
"Sich einen Namen machen - Karriere im E-Musik Bereich: Nebeneffekt oder Zielerreichung?" - so lautete der übergeordnete Titel des vom mica - music austria gemeinsam mit dem Konservatorium Privatuniversität Wien veranstalteten Symposiums vergangenen Oktober. Eine kurze Replik von Wolfgang Seierl.
So interessant und auch unterhaltend die Podiumsdiskussion im Rahmen des micafocus am 13. 10. war, so unheimlich schmal war der Ausschnitt, der an diesem Abend beleuchtet wurde, welcher eigentlich nicht gerade der war, den die zahlreich erschienenen StudentInnen sich erwartet oder gewünscht hätten.Die spannendsten Fragen, die vom Hausherrn Ranko Markovic in die Runde geworfen wurden, blieben unbeantwortet, aus welchem Grund auch immer.
Wenn man bedenkt, dass von 100 MusikstudentInnen nur eine/r (1%) so genannte Karriere macht, und mit dieser Karriere nicht eine in der Größenordnung der großen Weltstars wie Netrebko oder Lang Lang gemeint ist, so ist klar, dass hier lediglich ein Ausschnitt im Promillebereich Thema war. Die steigende Anzahl von Kunst- bzw. MusikstudentInnen, die unglaubliche Vielfalt und das daraus resultiernde kreative Potential, die Chancen der Jungen auf einem Markt, den wir vielleicht doch auch noch mitgestalten können (?), die Rolle des Publikums, das sich ebenfalls verändert und eine tragnede Rolle in diesem Kontext spielt, - all das wurde eigentlich ausgespart. Schade, denn das sind zurzeit die wichtigen und spannenden Fragen, denen sich jede/r Musikstudent/in bzw. Musikschaffende/r stellen muss. Karriere - sich einen Namen machen - heißt doch nicht nur, in die Top-Liga des internationalen Musikbetriebs aufzusteigen. In vielen großen, mitteleren und kleinen Konzerten, Institutionen, Universitäten und Schulen arbeiten MusikerInnen und machen Karriere, kleine, mittlere, große. Wer will bewerten und in welchem Kontext?
Karriere ist ein Begriff, der zu sehr beladen ist, um für diese Dinge noch zu passen. Karriere ist ja eigentlich nur der Berufsweg, den jeder geht. So plädiere ich dafür, diesen Begriff als einen historischen für das, was die Jungen heute wollen, nicht mehr zu verwenden. Sich einen Namen machen führt heute schließlich zum Thema Massenmedien und damit zu bestehenden Machtverhältnissen, welche erst recht infrage gestellt werden müssen.
Wolfgang Seierl
