Es gibt sie doch. Die guten Seelen, die sich vom derzeitig grassierenden Fußballfieber nicht anstecken haben lassen und sich auf der Suche nach einem geeigneten Alternativprogramm befinden. Ein solches ist der lese-takt des mica-music austria, der vergangenen Mittwoch mit Ernst Molden einen ganz besonderen Gast begrüßen durfte. Nicht nur, dass der Songwriter aus seinen Romanen witzige Textpassagen zum Besten gab, die BesucherInnen durften auch brandneuen, bisher noch nicht gehörten Songs des Liedermachers lauschen.
Im Fernseher lief das Spiel Deutschland Ghana, im mica-music austria eine musikalische Performance des wohl renommiertesten österreichischen Liedermachers. Eine Lesung mit viel Musik, die ganz in der Tradition des Wiener Songwritertums auf ironische, zum Teil dunkle Art und Weise das Alltagsleben abbilden. Zur großen Überraschung spielte Ernst Molden nicht nur altbekannte Sachen, sondern präsentierte auch Stücke, die bisher nur seine Frau hören durfte. Quasi eine Art Dank an jene, die trotz des Fußballevents den Weg zu dieser hoch interessanten Lesung gefunden haben.
Ernst Molden ist ein Künstler, der sich in der Literatur ebenso zu Hause fühlt wie auch in der Musik. Er betrachtet diese auch nicht getrennt, sondern lässt sie auf seine typische Art ineinander fließen. Daher nehmen seine Texte innerhalb des Gesamtkonzepts auch eine besondere Stellung ein. Viel benötigt Molden nicht, um seine eigene Vision des modernen Austropops zu realisieren. Eine verrauchte aber eindringliche Stimme, eine Gitarre, die den Blues regelrecht aufgesogen zu haben und ein Händchen für gute Melodien. Musikalisch bewegt er sich dabei ganz im Fahrwasser der heimischen Austropop-Ikonen der siebziger Jahre. Spätestens seit der Veröffentlichung von "Wien" und "Foan" im Jahr 2008 ist Liedermacher aus der ersten Reihe der deutschsprachigen Songwriter nicht mehr wegzudenken.
Mit dieser Veranstaltung ging der lese-takt in seine Sommerpause. Weiter geht es im September mit Gästen wie Tex Rubinowitz und Louie Austen.