Austrian Music Export - Pilot gelungen, Fortsetzung wünschenswert

Austrian Music Export - Pilot gelungen, Fortsetzung wünschenswert

Die zweijährige Pilotphase der Austrian Music Export ist abgelaufen. Zeit für einen Rück- und einen Ausblick.

"So viel, wie man mit dem einen, richtigen Anruf, der einem Tür und Tor öffnet, kann man mit Geld gar nicht erreichen. (Christoph Moser, Hoanzl)

"Ich persönlich bin unbedingt für eine Weiterführung der AME (Robert Pinzolits, Geschäftsführer Karate Joe Records und Vorstandsmitglied des VTMÖ)


In den Jahren 2004 bis 2006 wurden über Grundfinanzierung durch den SKE-Fonds und ergänzende Projektfinanzierung mit verschiedenen Partnern im Rahmen des Projekts Austrian Music Export (kurz: AME) verschiedene Maßnamen erprobt, Musik und Musikproduktionen aus Österreich international besser und für die Musikwirtschaftsteilnehmer verwertbar darzustellen. Das Resumee lautet: Die Bilanz der AME ist auch im zweiten Jahr ausgeglichen und - was beinahe noch wichtiger ist - das Feedback aus der Szene überwiegend positiv. Natürlich passierten Fehler, doch die bringt jeder Testlauf, jeder Lernprozess zwangsläufig mit sich.
An der Verbesserung und Weiterentwicklung des Konzepts wird intensiv gearbeitet: So laufen seit August dieses Jahres sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene Gespräche und Inputrunden, um eine möglichst breite Basis für den Betrieb ab 2007 herzustellen. Gemeinsam mit den Labels, den Verbänden der Musikbranche und dem Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie (FAFO) der WKÖ wird auf Hochtouren an einem Konzept gearbeitet, das einerseits Kontinuität gewährleistet und andererseits noch besser und direkter auf die einzelnen, mitunter sehr unterschiedlichen Branchenbedürfnisse eingeht. Der intensive Dialog ist bislang noch nicht abgeschlossen. Ziel der Gespräche ist es, ein gemeinsames integratives, standortförderndes Konzept zu erarbeiten.

"Ich persönlich bin unbedingt für eine Weiterführung der AME, auch wenn sich derzeit eine zweite Export-Initiative konstituiert. Ich bin der Meinung, dass die Leistungen der vergangenen Jahre evaluiert werden sollten und aus den Ergebnissen ein weiterführendes Konzept entwickelt werden sollte. Für mich sehe ich Parallell-Strukturen von zwei Initiativen mehr als Vorteil denn als Nachteil. Auch die Kombination aus zwei zielorientierten und sich ergänzenden Initiativen könnten sehr von Vorteil sein, sofern man miteinander arbeitet und die notwendigen Kommunikationsschnittstellen herstellt." (Robert Pinzolits, Geschäftsführer Karate Joe Records und Vorstandsmitglied des VTMÖ)

Die notwendige Evaluierung, die Robert Pinzolits anspricht, passiert nicht erst jetzt, nach Ablauf der Pilotphase. Schon 2005 gab es eine erste Evaluationsrunde mit Branchenteilnehmern und einen weiteren "Round Table" mit potentiellen Finanzierungspartnern, um die Weiterentwicklung der AME unter Einbeziehung einer möglichst breiten Koalition des Musiksektors und der Finanzgeber vorzubereiten. Ergebnis war ein grundsätzlicher Konsens über die Notwendigkeit eines solchen Musikbüros und die Aufforderung der Fördergeber, der Musiksektor solle sich auf einen gemeinsamen Ansatz einigen, um relevante Mittel nachhaltig zu erschließen.

Die Rolle des mica
Das mica - music information center austria hat laut seinem Gründungsauftrag für eine bessere Verbreitung von Musik aus Österreich zu sorgen. Dass eine bestmögliche Verbreitung nicht an den Landesgrenzen halt machen kann, liegt auf der Hand. Schon im Jahr 1997 wurden deshalb durch Initiierung der Gemeinschaftsstände auf den wichtigsten Messen MIDEM und PopKomm die ersten Impulse gesetzt. 2001 fand auf Einladung des mica der erste Round Table mit relevanten Fördergebern und Branchenteilnehmern statt. Vor allem die Independents haben eine wichtig Stimme, wenn es um die Verbesserung der Musiklandschaft geht. Und genau diese Zusammenarbeit von mica und VTMÖ sei vor allem auch in Fragen des Musikexports wichtig, betonte Robert Pinzolits: "Es wäre sinnvoll, wenn AME und VTMÖ an gemeinsamen Konzepten arbeiten würden, die den Betreffenden die prinzipiellen Zusammenhänge der Musikwirtschaft vermitteln. Themen wie Urheberrecht, Verwertungsrecht, Struktur des Marktes und Preisgestaltung, Marketing-Strategien, Verwertungsgesellschaften, deren Nutzen und Pflichten sowie unternehmerisches Basiswissen wären sehr relevante Themen."

Dass das mica gerade in der Vermittlung dieses Wissens nicht nur über eine lange Tradition, sondern auch außerordentliche Kompetenz verfügt, wie sich nicht zuletzt anhand des vom mica federführend betrauten aktuellen EU-Projekts DMET (Digital Music Education Training) zeigt, braucht an dieser Stelle nicht weiter vertieft zu werden.


Erfolge der AME
Die Aktivitäten von AME waren vor allem von der Finanzierungssituation abhängig. Projektfinanzierung und die Ausrichtung der Partner hatten wesentlichen Einfluss auf die tatsächliche Ausgestaltung der jeweiligen Programme. Trotz engem budgetärem Korsett wurden durchwegs respektable, teilweise sogar erstaunliche Ergebnisse erzielt.

So wurde nicht nur eine eigene Website auf- und die ursprünglich als B2B-Platttform konzeptionierte Downloadshop manymusics.org zur B2C-Plattform und in bestehende Firmenwebsites einbindbare "White Label"-Infrastruktur zur Unterstützung österreichischer Labels und Musikschaffender ausgebaut, im Rahmen eines Kooperationsprojektes des EMO - "European Music Office" konnten auch Datenbanken zu Exportmärkten aufgebaut werden. ("Exporthandbücher"). "Nebenbei" wurden weltbedeutende Messen wie die Expo 2005, WOMEX 2005 und 2006, FMI - Feira da Musica Independente - betreut und Kataloge über die Weltmusik- und Jazzszene (gemeinsam mit Jazzzeit und WKÖ) erstellt. Für das "European Talent Exchange Program" wurden gemeinsam mit Novarock und Frequency Vorschlagslisten erarbeitet und beim "European Tour Support" die einreichenden Labels betreut.

Prioritär in der Ausrichtung der AME waren und sind die enge Zusammenarbeit mit den europäischen Schwesterbüros und die Abwicklung von Kooperationsprojekten mit Förderungen der Europäischen Union.

Eine vollständige Liste der Messe- und Auslandsrepräsentationen, aber auch sonstiger Projekte (etwa gemeinsam mit Ö3 im Rahmen des Ö3-Soundcheck) findet sich unter dem Link: Rückblick: Projekte der "Austrian Music Export"

Stand der Dinge
AME hat im zweiten Geschäftsjahr und mit Ende der Pilotphase ausgeglichen bilanziert. Da eine Folgefinanzierung im laufenden Jahr und knapp vor den Nationalratswahlen nicht realistisch war, aber auch die Gespräche mit den Branchenverbänden angesichts neuer und bei Gründung der AME noch unbekannter Player komplizierter als erwartet verliefen, mussten mangels Finanzierung alle Fixkosten und damit auch das gebundene Personal abgebaut werden. Dennoch bleibt die Uhr nicht stehen:
AME ist in der jetzigen Übergangsphase im dritten Geschäftsjahr operativ. Derzeit werden über Projektfinanzierungen getragene Projekte umgesetzt. So betreibt AME etwa von 25. bis 29. Oktober auf der Messe für Weltmusik WOMEX 2006 in Sevilla/Spanien wieder einen Gemeinschaftsstand. Der nächste Round Table zur Präsentation des aktuellen Gesprächsstandes findet am 20. Okt. 2006 im mica statt.
Derzeit werden auch intensiv Befragungen bei den Labels durchgefürht. Dabei geht es um die Erörterung, wo exakt ihre Bedürfnisse liegen. Darum, diese mitunter sehr verschieden gestalteten Bedürfnisse im Programm abzubilden - und zwar von Wien bis nach Bregenz - geht es letztlich, so mica-Geschäftsführer Peter Rantasa.

Für Christoph Moser von Hoanzl etwa muss ein Musikexportbüro wie eine Lobbying-Station für Vertrieb, Live- und Lizenzgeschäfte funktionieren, "in der kompetente Leute sitzen, die über die entsprechenden Kontakte in Territorien verfügen, in die ich mit einer Produktion rein will, aber dort selbst niemanden persönlich kenne."

 

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