Ohne einen Hauch von Nervosität, vielmehr von seinem exponierten Eckplatz in der ersten rechten Parterreloge mit kritischem Blick Partitur oder Text verfolgend, gibt er mittels Körpersprache deutlich zu verstehen, wer hier im Saal entschieden über die größte Erfahrung und Souveränität in der Handhabung von Klangmassen verfügt. Momentaufnahme bei der Uraufführung des Oratoriums „Das jüngste Gericht“ am 1. Mai 2013 im Wiener Musikverein. Derjenige, der da so über den Dingen stand, die der Wiener Leherer-a cappella-Chor, das Savaria Symphonieorchester und Bariton Günter Haumer unter der Leitung von Günter Knotzinger vor dem restlos ausverkauften großen Saal ausbreiteten, hatte auch leicht ruhig sein: Neun Jahrzehnte begleitet Heinrich Gattermeyer nun schon das Geschehen auf diesem Erdball, hat dabei viele Tiefen und Höhen erlebt. Es beinhaltet eine gewisse Befriedigung, dass er auch in dieser späten Lebensphase die Früchte seiner Arbeit reichlich ernten kann. Und es ringt dem Betrachter ein gewisses Erstaunen ab, wenn der Jubilar in all seiner patriarchalischen Würde keine Spur von Müdigkeit erkennen lässt, vielmehr jeder in ihm spontan einen munteren „Siebziger“ vermuten würde.