Es gibt Dinge, die werden immer größer und größer, bis sie irgendwann den vorgegebenen Rahmen sprengen und der Punkt erreicht ist, an dem man umdenken muss. So geschehen bei „Bestiario“, Angelica Castellos letztem Album, das zugleich ihr erstes als Solo-Künstlerin und Komponistin ist. In unterschiedlichsten Formationen – etwa im Duo mit Billy Roisz oder mit Thomas Grill, Maja Osojnik, und Matija Schellander im „Low Frequenzy Orchestra“ – trat sie bis dahin als Interpretin an der Flöte und anderen Instrumenten (Recorders, Devices) in Erscheinung, ein eigenes Album allerdings, das sie als Solo-Künstlerin vorstellt, erschien ihr nie wichtig. „Zum einen, weil ich dachte, das braucht ohnehin niemand. Zum anderen aber war es auch eine ganz bewusste Haltung, die ich einnahm“, erzählt die gebürtige Mexikanerin, die in Wien längst eine zweite, dauerhafte Heimat gefunden hat. Doch Meinungen sind dazu da, um geändert zu werden: Als das erste Album des Low Frequenzy Orchestras herauskam und sie hautnah erfuhr, was es bedeutet ein Album zu machen, wurde diese Haltung nachhaltig erschüttert. Weitere Alben, an denen sie mitwirkte, folgten, und irgendwann wollte sie auch für sich selbst, für ihre ganz persönliche Kunst, eine derartige Momentaufnahme. Ein Dokument also, das eine ganz bestimmte Phase des Lebens abbildet.