Bild (c) Marlene Fally, Nele Hazod, Sara Trawöger

„Kategorien in der Musikszene sabotieren“ – LA SABOTAGE im mica-Porträt

Ein neuer Bandname ist seit einiger Zeit regelmäßig auf den Websites und Flyern österreichischer KonzertveranstalterInnen zu lesen: LA SABOTAGE – drei junge Frauen, die sich erst im Sommer 2015 zusammenschlossen und nun, eineinhalb Jahre später, ihre erste Vinyl-Single „Rabengasse/Mad“ (Fettkakao) veröffentlichten.

Stilistisch bewegen sich Marlene Fally, Nele Hazod und Sara Trawöger alias La Sabotage zwischen Elektronik, Pop, Punk, Indie, Noise und Experimental. Laute, schnelle Schlagzeug-, Bass- und Gitarrentöne treffen auf eine zarte Stimme, eingängige Melodien und Synthesizerklänge. „Wie bei den Seitenarmen eines Flusses fließen bei uns viele verschiedene Musikrichtungen zusammen“, so Sara, Schlagzeugerin der Band. „Unsere Ursprungsidee war, Kategorisierungen in der Musikszene zu sabotieren – daher auch unser Bandname“. Eine spannende Mischung, die auf der Bühne regelmäßig für musikalische Überraschungsmomente sorgt. So zum Beispiel, wenn für einen Song in der Mitte des Sets plötzlich jenes Instrument hervorgeholt wird, das eigentlich an Bravheit nicht zu übertrumpfen ist:die gute alte Blockflöte.

Toilettengänge, Regelschmerzen und Mikro­Hall

Inhaltlich fordern La Sabotage ihr Publikum durch subtilen Humor und sanfte Irritation heraus. Die eben erwähnte Nummer, die sich aus sich rhythmisch steigernden Stöhn- und Seufzlauten zusammensetzt, mag bei so manchen Zuhörerinnen und Zuhörern sexuelle Assoziationen hervorrufen – bis am Ende unvorhergesehen das Wort Ghostshit erklingt. Man braucht ein paar Momente, um zu verstehen, dass man soeben Zeugin bzw. Zeuge der Erzählung eines überaus befriedigenden Toilettengangs wurde. In anderen Songs behandeln La Sabotage Alltagsthemen, die vor allem Frauen betreffen. So thematisiert „Just wanna“ beispielsweise schmerzhafte Menstruationsprobleme und deren Auswirkungen auf die eigene Psyche. Was dabei fast alle Nummern vereint: ein für die Band charakteristischer Minimalismus hinsichtlich der Wortwahl. Kurze, simple Sätze und klare Aussagen bekommen mit Hall-Effekten am Mikro und langen Textpausen viel Raum, bei den Zuhörerinnen und Zuhörern nachzuwirken. Damit verfolgen La Sabotage trotz ihrer Stilvielfalt eine klare Linie. Ihre zurückhaltende, fast schüchterne Natürlichkeit lässt sie auf der Bühne sympathisch wirken: Ein Lächeln, ein „Wir freuen uns, hier zu sein“ und „Danke fürs Kommen“ reichen dabei an Interaktion mit dem Publikum.

Ein weiblicher Sabotageakt

Bild (c) Marlene Fally, Nele Hazod, Sara Trawöger

Die drei jungen Frauen wirken also gar nicht so hart, wie es ihr Bandname vielleicht vermuten lässt. Sprachtalenten wird nicht unbemerkt geblieben sein, dass sich darin ein (gewollter) Grammatikfehler versteckt: Dem Wort Sabotage wird im Französischen korrekterweise der männliche Artikel le zugeschrieben. Doch, wie unschwer zu erkennen ist, können die drei weder Konventionen noch Geschlechterstereotypen viel abgewinnen und tauschten den Artikel kurzerhand gegen ein weibliches la. Dieser selbstbewusste Umgang mit vermeintlichen Fehlern liegt bereits in der Entstehungsgeschichte der Band begründet. Im Sommer 2015 fanden sich Marlene, Nele und Sara im Zuge des Girls Rock Camp in Linz zusammen. Veranstaltet von Pink Noise. Verein zur Förderung feministisch-popkultureller Aktivitäten bietet diese Workshopwoche Mädchen und jungen Frauen die Möglichkeit, Instrumente zu lernen, gemeinsam Musik zu machen und Songs zu schreiben. Teil des Konzeptes ist es auch, sich von Anfang an auf der Bühne auszuprobieren – auch wenn nach einer Woche noch nicht alles reibungslos läuft. Es ist erstaunlich, dass die Bandkonstellation dreier Menschen, die mehr oder weniger zusammengewürfelt werden, so gut funktioniert. „Zwar haben wir teilweise unterschiedliche Musikgeschmäcker, aber da wir offen sind und gerne herumprobieren, kommen wir trotzdem immer auf einen gemeinsamen Nenner“, erklären La Sabotage. Neben der Offenheit spielt auch Respekt eine große Rolle: „Wir können uns alle super aufeinander einlassen. Beim Proben entsteht ein wertfreier Raum ohne Scheu und Hemmungen.“

Rasch gelang La Sabotage auch der Sprung aus Linz in andere Städte Österreichs. Es folgte ein Auftritt nach dem anderen, zunächst in kleinen Szenelokalen, bald aber auch im Rahmen durchaus bekannter Veranstaltungen und Locations, etwa beim Gender Crash im brut in Wien, beim YOUKI – Internationales Jugend Medien Festival in Wels und im Offenen Kunst- und Kulturhaus Vöcklabruck.

Erste Single: „Rabengasse/Mad“

„Langfristig wollen wir nicht einfach deswegen wahrgenommen werden, weil wir eine Band sind, die aus drei Frauen besteht, sondern wegen unserer Musik“, so die Band. Mit dem ersten eigenen Platten-Release dürfte das bereits gelungen sein: „Rabengasse/Mad“ lautet der Titel der Vinyl-Single, die La Sabotage im Februar dieses Jahres unter dem Label „Fettkakao“ veröffentlichten. „Mad“ vereint laut und kraftvoll die gesamte stilistische Bandbreite von La Sabotage und bringt Bewegung ins Konzertpublikum. „Rabengasse“, inspiriert von den Lauten eines Rollkoffers auf Kopfsteinpflaster, handelt von Wien und Geräuschen im städtischen Raum, die viel zu selten als Musik wahrgenommen werden. Nach der vielversprechenden Single darf man also definitiv gespannt sein, wie es mit La Sabotage weitergeht. Erste internationale Auftritte sind geplant – da ist vermutlich auch das erste Album nicht mehr weit.

Anna Lischka

La Sabotage live:

  • 6. Juli 2017, Rhiz, Wien
  • 7. Juli 2017, Bikavér Festival, Eger (Ungarn)
  • 8. Juli 2017, Golya, Budapest (Ungarn)
  • 25. August 2017, Live-­Auftritt bei 12 Minutes Live (Okto TV)


Links:

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La Sabotage (bandcamp)
Fettkakao