Bild (c) Christian Schneider

„Niemand macht exakt die gleiche Karriere“ – ELISABETH DE ROO (Career Centre MOZARTEUM) im mica-Interview

Die Kunst ist das eine, die Realität – nicht nur nach einem absolvierten Studium – meist eine gänzlich andere. Gerade im Klassikbereich klaffen Vorstellungen und Wirklichkeiten oft radikal auseinander. Um dem ebenso aktiv wie positiv entgegenzuwirken, gibt es nun am Salzburger MOZARTEUM mit dem „Career Centre“ seit Ende letzten Jahres eine ganze Reihe von Angeboten für Studierende, um diese auf das Berufsleben vorzubereiten. Didi Neidhart sprach mit der Organisatorin ELISABETH DE ROO über das Konzept und die Überlegungen dahinter.

Im Vorwort zur Broschüre „Career Centre. Get Fit For Your Future And Polish Your Skills!“ schreibt Sarah Wedl-Wilson, die Vizerektorin des Mozarteums für Außenbeziehungen: „Erfolgreich zu sein in der Kunst heißt mehr, als reines Talent zu besitzen.“ Wie sehr betrifft diese Aussage speziell Studierende des Mozarteums?

Elisabeth de Roo: Es betrifft wahrscheinlich die meisten jungen Künstlerinnen und Künstler am Mozarteum, aber auch weltweit. So wie die Welt sich ständig verändert, wandelt sich auch die Kulturszene. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Studierenden nach ihrer Ausbildung fließend in eine Festanstellung übergehen, sinkt stetig.
Es gibt weniger feste Ensembles, weniger Orchester und besonders die kleineren Theater kämpfen immer mehr ums Überleben. Diese Tatsachen klingen zuerst einmal negativ, die Situation birgt aber auch fantastische neue Chancen. Die Generation Y legt Wert auf Freiheit und Eigenständigkeit im Beruf. Das kann eine meist starre Festanstellung nicht bieten, ein Gastvertrag jedoch sehr wohl. Aus der Vogelperspektive betrachtet verändert sich der Markt, was auch ganz normal ist – und darauf bereiten wir unsere Studierenden vor.

Wie kam es eigentlich zur Idee des Career Centre?

Elisabeth de Roo: Die Idee, Studierende außerhalb ihres Curriculums auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, kursierte schon lange am Haus. Studierende forderten dies seit Jahren immer wieder in verschiedenen Gremien des Mozarteums ein. Der ehemalige Vizerektor Prof. Gratzer hat auf diese Forderungen mit den „Besonderen Studienangeboten“ reagiert, einem Vorläufer des Career Centre. Die „Besonderen Studienangebote“ haben bereits einige Wünsche wunderbar abgedeckt, aber eben nicht alle. Die Studierenden wollten mehr über die Themen Steuerrecht, Onlinemarketing, Portfolio-Coaching, Urheberrecht und vieles mehr wissen.
Ich war noch Vorsitzende der Österreichischen Hochschüler_innenschaft am Mozarteum (ÖH), als sich das Rektorat am Mozarteum veränderte und so die amtierende Vizerektorin, die Kulturmanagerin Sarah Wedl-Wilson, ans Haus kam.
Sie brachte die Idee, am Mozarteum ein Career Centre einzurichten, bereits mit in ihre Funktion.
Ich denke, wir haben uns dabei gegenseitig offene Türen eingerannt und so gemeinsam rasch Tatsachen geschaffen. Die ÖH am Mozarteum hat eine groß angelegte Umfrage unter den Studierenden gestartet, um deren Wünsche zu erfassen und anschließend auch umsetzen zu können. Die erste Veranstaltung hieß „Neues und altes Dienstrecht für Lehrer_innen“ und war ein voller Erfolg.
So war der Grundstein für die Gründung eines Career Centre geboren und es zeigte sich, dass sie auf große Begeisterung stieß.
Besonders erfreulich für mich persönlich war, dass ich mich nach meiner Zeit als Vorsitzende der Hochschüler_innenschaft für die neu ausgeschriebene Stelle im Career Centre bewarb und dabei erfolgreich war. Nun habe ich die Möglichkeit, dieses Projekt auszuarbeiten.

Schaut man sich das Programm genauer an, so findet sich ein sehr reichhaltiges Angebot. Das reicht von „Selfmarketing (Die Marke Ich)“, „business startup – Künstler_in als Unternehmer_in“, „Career Building – Ich baue mir meine Karriere“, „Steuerrecht für Künstler_innen“ über „It’s a jungle out there – vom Leben und Überleben von Sänger_innen und Ensembles im Bereich der Alten Musik“ (u. a. zu Themen wie Ensemble-Management), „Der Weg in die berufliche Selbstständigkeit. Wie werde ich freischaffende Künstlerin/freischaffender Künstler“ bis hin zu „Interviewt werden vor laufender Kamera“ (Körpersprache, Mimik, Gestik, Haltung). Etwas kritisch könnte hier jedoch angemerkt werden, dass solche Skills zur Selbstoptimierung auch bei Castingshows gut ankommen. Wie sehen Sie das?

Bild (c) Elisabeth De Roo

Elisabeth de Roo: Das stimmt – die Berufswelt, die unsere Studierenden erwartet, ist einer Castingshow gar nicht so unähnlich. Hier sind wir wieder bei dem einleitenden Satz: „Erfolgreich zu sein in der Kunst heißt mehr, als reines Talent zu besitzen.“
Unsere Absolventinnen und Absolventen sind großartige Künstlerinnen und Künstler, aber für viele Engagements und Zukunftspläne müssen sie ihre Person auch vermarkten können – vielleicht nicht vor einer Casting-Jury, aber dennoch vor Menschen, die ihr Auftreten, ihre Leistung und sie als Person beurteilen werden.

Reagiert man damit hauptsächlich auf die Zwänge des Business oder geht es auch darum, den Studierenden die Realität jenseits des „Safe Space“ bzw. der Blase Studium am Mozarteum näherzubringen?

Elisabeth de Roo: Das Career Centre möchte den Studierenden zeigen, dass viele Wege zum Erfolg führen können. Es ist wichtig, dass man den richtigen Weg findet. Der richtige Weg ist aber nun mal für jede Person ein individueller. Niemand macht exakt die gleiche Kariere.

„Es geht uns deshalb allem voran darum, das Angebot für sie zu verbessern“

Geht es dabei womöglich auch um eine Art (zukünftiger) Neupositionierung des Mozarteums innerhalb der Salzburger Kunst- und Kulturszene? Weg von der reinen Ausbildungs- bzw. Reproduktionsstätte hin zu einem Impulsgeber, der dann auch andere als die üblichen Publikumsschichten ansprechen könnte?

Elisabeth de Roo: Die Universität Mozarteum ist zwar fester Bestandteil der Salzburger Kulturszene, versteht sich aber in erster Linie als Ausbildungsstätte, die ihren Studierenden verpflichtet ist. Es geht uns deshalb allem voran darum, das Angebot für sie zu verbessern. Die Bemühungen des Career Centre konzentrieren sich darauf, die bestehenden Lehrpläne möglichst gut zu ergänzen, um den Studierenden die bestmöglichen Chancen in der Arbeitswelt zu ermöglichen. Indirekt profitiert davon natürlich auch wieder die Kulturszene Salzburgs.

Ende letzten Jahres gab es im Rahmen des Career Centre ja auch zwei mica-Workshops zu „Social Media/Facebook & Co“ bzw. „Urheberrecht/Musikrecht“. Wie wurden diese Angebote aufgenommen bzw. wie war das Feedback darauf?

Elisabeth de Roo: Das Feedback war großartig. Ich bekam ausschließlich positive, gar euphorische Rückmeldungen. Die Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kann sich für meinen Geschmack noch deutlich erhören, aber es war ein guter Start für zwei Workshops, die sich mit einer eher trockenen Materie beschäftigten.

Ein Ziel des Career Centre ist es ja auch, bestehende Netzwerke „arbeiten zu lassen“ bzw. neue zu schaffen. So was liest sich immer toll, aber wie schaut dieses Netzwerken dann in der Realität konkret aus?

Elisabeth de Roo: Konkret können Sie das bereits im neuen Folder sehen. Ich werde es Ihnen anhand einiger Bespiele aufzeigen: Der Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen hört sich, neben seinem Workshop, unsere Studierenden an – möglicherweise können wir bereits bei den nächsten Händel-Festspielen eines unserer fantastischen Ensembles dort bewundern.
Der Dirigent Gerrit Prießnitz kommt ebenfalls als Talentscout ans Haus. Er nimmt sich nicht nur Zeit für seine jungen Kolleginnen und Kollegen aus der Dirigierklasse, sondern möchte auch jungen Künstlerinnen und Künstlern bei einem informativen Vorspiel zuhören und Feedback geben.
Dass unsere Studierenden Kontakt zu einer auf Künstlerinnen und Künstler spezialisierten Steuerberaterin bekommen, ist natürlich kein Zufall. Und die noch frische, aber nichtsdestotrotz enge und amikale Kooperation zwischen mica und Career Centre trägt auch dazu bei, dass unsere Studierenden ein für sie geknüpftes Netzwerk vorfinden.
Das soll aber erst der Anfang sein.

An wen richten sich die Angebote im Speziellen? Geht es dabei nur um Studierende des Mozarteums oder können im Prinzip alle teilnehmen?

Elisabeth de Roo: Die Angebote richten sich an unsere Studierenden und unsere ehemaligen Studierenden. Besonders bei Workshops und Vorträgen sind aber Interessierte herzlich willkommen. Lediglich bei Einzelcoachings, beim Vorsingen/Vorspielen und bei Kursen mit begrenzter Teilnehmerzahl sind wir strenger, solche individuellen Angebote sind speziell auf Studierenden und Alumni zugeschnitten.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Didi Neidhart

Nächster mica-Workshop beim Career Centre:
Career Bier – Konzeptgrundlagen für öffentliche Anträge
Referent: Helge Hinteregger (mica – music austria)
Mit, 03.05. 2017 –  14.00 Uhr

Studierendenlounge
Mirabellplatz 1
5020 Salzburg

CAREER CENTRE
Seminare – Trainings – Coaching
Organisation: Elisabeth de Roo (elisabeth.de_roo@moz.ac.at)
Mirabellplatz 1
5020 Salzburg

Links:
Mozarteum Career Centre
Career Centre Prospekt