Kaum jemand hat das musikalische Leben Österreichs der letzten Jahrzehnte so intensiv mitgestaltet wie Friedrich Cerha. Am bekanntesten mag er wohl als Komponist sein, als welcher er sich neugierig mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen auseinandersetzt, neuartige Kompositionsweisen prägte und der von sich selbst behauptet, keinen Stil zu haben. Doch auch als Leiter diverser Ensembles, Dirigent und durch seinen unermüdlichen Einsatz für (Neue) Musik und deren Vermittlung ist er weithin bekannt; nicht zuletzt als Leiter der IGNM, Kompositionslehrer und für die Herstellung des III. Aktes der von Alban Berg fragmentarisch hinterlassener Lulu. Und noch vieles mehr ist in den inzwischen zahlreich vorhandenen Publikationen über Cerha zu lesen. Doch sind es nicht die einzelnen Tätigkeiten, die das Schaffen Cerhas ausmachen. Vielmehr ist es die einerseits beharrliche Kontinuität, mit der sich der 1926 Geborene dem Musikleben und dessen Gestaltung hingibt, andererseits ist es aber auch die undogmatische Herangehensweise und das Integrieren von Unterschiedlichem, das die Persönlichkeit Cerhas ausmacht.