Musikmagazin – burgenland

Do, 24.04.2014 - 11:21

„Groove“ ist so vielfältig definierbar wie man die Begriffe „Schmäh“ oder „Saudade“ mit Worten bestenfalls umschreiben  kann, aber das, was gemeint ist, wissen alle, die „es“ spüren durften und fortan davon infiziert sind.  „Groove“ ist auch das sympathische Hauptmerkmal der vier Männer, die hier unter dem Bandnamen Chilifish präsentiert werden mögen: Sobald  jenewelche nämlich loslegen, treten Symptome beim Zuhörenden auf, wie zwanghafte Lust zu tanzen oder mindestens „rhyhtmisches Stehen“ (Roland Kaisers „Dich zu lieben“ Fußchoreographie). Die unwiderstehlich energetische Schwingung erfasst Hüften und Rumpf, die zuvor „ruhigen Zuschauermassen“ mutieren zu einer Herde „Wackeldackel“. Von der ersten bis zur letzten Sekunde wird man getragen von Beats chili-gewürzt mit frechen oder unverschämt romantischen Texten. Das Geheimnis ihres Grooves beruht nicht nur auf dem  gleichen „Time“-holz und Musikempfinden, aus dem Konglomerat BassistIn und SchlagzeugerIn geschnitzt sein möchten. Nach Bass und Drumset sucht man hier nämlich vergebens.

Mi, 23.04.2014 - 11:30

Christian Bakanic ist ein vielbeschäftigter Mann. Mag sein Name auch eher nur den „Eingeweihten“ ein Begriff sein – die Projekte, an denen er sich das letzte Jahrzehnt hinweg beteiligt hat und die durch sein facettenreiches Akkordeonspiel wesentlich geprägt waren, sind auch außerhalb der jeweiligen Nischen bekannt: Ob Beefólk, Trio Infernal oder Folksmilch. In all diesen Ensembles, die sich durch eine jeweils unterschiedliche Gemengelage von Jazz, Klassik und Folklore auszeichnen, findet sich sein einprägsames und stilistisch vielseitiges Spiel. Selbiges lässt sich grob in folgende Stränge aufdröseln, die gemäß der jeweiligen Gewichtung stets präsent sind: die komplexe Spontaneität der Improvisation, die temperamentvolle Leidenschaft des Tango Nuevo, das disziplinierte Moment abendländischer Klassik und die vielschichtigen Traditionen europäischer Volksmusik.

Do, 20.02.2014 - 13:16

„Mit Zwillingen in einem Trio zu spielen, ist schon eine spezielle Herausforderung“, bekennt der Pianist Philipp Jagschitz angesichts seines Trios mit Matthias und Andreas Pichler. „Die sind so eingeschworen aufeinander und scheinen jederzeit zu wissen, was der andere gerade vorhat.“ Sich selbst in diesen Kontext einzubringen, erfordere eine gewisse Stärke, die aber durch die Qualitäten dieser spezifischen Interaktionen reich belohnt werde.

Di, 04.02.2014 - 11:36

Vier Jahre nach „Wenn dir das meine Liebe nicht beweist“, der Arcade Fire-Platte in der Diskografie der Band, veröffentlicht das von Wien aus operierende burgenländische Quartett sein neues Studioalbum „Trumpf“. Garish haben sich viel Zeit gelassen, um ein Album zu erarbeiten, das ihnen perfekt entspricht: emotional, manchmal pathetisch, morbid, aber auch rau und mit Luft zwischen den Tönen. Man hört eine Band auf der Höhe ihrer Möglichkeiten. Sebastian Fasthuber hat mit Sänger Thomas Jarmer und Schlagzeuger Markus Perner gesprochen.

Di, 21.01.2014 - 11:33

Nach einer etwas längeren Pause veröffentlicht die in Berlin ansässige österreichische Band Ja, Panik Ende Jänner ihr mit Spannung erwartetes neues Album „Libertatia“. Im Vorfeld ist sie zum Trio geschrumpft. Sänger und Gitarrist Andreas Spechtl, Bassist Stefan Pabst und Schlagzeuger Sebastian Janata haben die veränderte Situation zum Anlass genommen, Ja, Panik neu zu erfinden. Wo bislang Rock im Zentrum stand, werden in den neuen Songs der Popaspekt und Tanzbarkeit groß geschrieben. Und wo frühere Alben live im Studio eingespielt wurden, entdeckten die Musiker diesmal die Lust am Arrangieren und Produzieren. Sebastian Fasthuber hat mit Andreas Spechtl gesprochen, der sagt: „Wir haben erstmals ein Gespür dafür entwickelt, wie etwas klingt.“

Mo, 16.12.2013 - 13:07

Thomas Pronai war noch nie jemand, der sich musikalisch von dem gerade Angesagten verleiten hat lassen. Was ihm eigentlich immer schon mehr zugesagt hat, war die einfach gestrickte handgemachte Musik. Und genau die ist es auch, die er mit seiner Band Bo Candy & His Broken Hearts verwirklicht und auch dem neuen Album „Flowers Must Fade“ erklingen lässt. Der Burgenländer im Gespräch mit Michael Ternai.

Mi, 11.12.2013 - 18:02

Als Schlagwerker und Vibraphonist ist Friedrich „Flip“ Philipp-Pesendorfer in vielen musikalischen Kontexten anschlussfähig, ob in der Klassik bei den Wiener Symphonikern oder im Jazz und anderen zeitgenössischen Musikformen in Form seiner vielfältigen Live-Tätigkeit und seinen CD-Projekten. Kompositorisch und als Arrangeur lotet er gerne das weite Feld zwischen Jazz und Klassik („Third Stream“) aus. Im Gespräch mit Günther Wildner berichtet Flip Philipp von Lieblingsdirigenten, Seelenbalsam im Land des Lächelns, nie konsumiertem Kompositionsunterricht und dem Ball mit Joe Zawinul

Do, 07.11.2013 - 17:22

Einer Gefahr ist Dietmar Hellmich sicher nicht ausgesetzt: dass eines seiner Stücke vom Veranstalter abgesetzt wird, weil es aufgrund seiner Länge das Programm sprengen würde. Trotz seines mit 37 Jahren noch vergleichsweise jungen Alters könnte man sich also hochzurechnen erlauben, dass die Gesamtdauer seines Œuvres bei konstanter Stückeproduktion und selbst methusalemischer Lebenserwartung dereinst wohl kaum jene des Gesamtwerks von Anton Webern überschreiten dürfte. Im Rahmen von Wien Modern 2013 gelangt am 2. November Kammermusik Nr. 12 zur Aufführung.

Do, 17.10.2013 - 15:54

Eine 7-köpfige Combo aus dem Burgenland zeigt sich für einen enormen „Crash“ verantwortlich. Unter diesem vermeintlichen „Crash“ versteht sich allerdings weder ein schwerwiegender Finanzkrach, noch eine Autokarambolage, sondern ausnahmslos das musikalische Schaffen der Formation da Blechhauf'n. Assoziationen zu Krach, einer Menge Metall und einer Kollision – natürlich im rein stilistischen Sinne – kommen daher nicht von ungefähr.

Di, 17.09.2013 - 10:39

Im Herbst 2007 ereignete sich auf einer Aftershowparty der Berliner Popkomm etwas Ungewöhnliches: Fünf junge, österreichische Musiker zogen sich nackt aus, und wurden nach ungemütlichen Diskussion der Bar verwiesen. Auf die Frage nach dem Grund der Aktion lautete die simple Antwort: Langeweile. Dass dieser Begriff eine vielseitig Selbsterklärungsquelle ist, beweisen Ja, Panik seitdem immer wieder öffentlich. Ennui ist nicht nur das elegantere Wort dafür, sondern drückt auch eine gewisse Lebenshaltung aus, die zwar mit Laissez-Faire, aber nicht mit Gleichgültigkeit zu tun hat. Denn gleichgültig sind den fünf Burgenländern das Politische und das Öffentliche nicht, nur dass ihre Herangehensweise an den Protest eine etwas andere ist.